/ 20.06.2013
Dirk Baecker (Hrsg.)
Schlüsselwerke der Systemtheorie
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005; 352 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-531-14084-1Die Systemtheorie repräsentiert ihrem Selbstverständnis nach einen neuen Typus von Wissenschaft. Dies zum einen, weil sie Ansätze ganz unterschiedlicher Disziplinen unter dem Gesichtspunkt selbstreferenzieller Systembildungen integriert und damit Grenzziehungen zwischen Natur- und Sozialwissenschaften zu überwinden beansprucht. Zum anderen, weil die Konstellation ihrer Leitideen – wie Kommunikation, Beobachtung und Differenz – zumal für die Sozialwissenschaften eine Form reflexiver Theorie umschreibt, „die zwischen erkenntnistheoretischen Überlegungen, das heißt der Arbeit an der Theorie [...] und der Beschreibung komplexer Systeme, das heißt der Arbeit an der Sache, unterscheiden und hin und her wechseln kann zugleich“ (18). Die systemtheoretische Perspektive ist unstrittig breit rezipiert worden – und vielleicht ist es, wie der Herausgeber vermutet, ein Ergebnis ihres Erfolges, dass es mittlerweile um die Systemtheorie still geworden sei und sie die Konkurrenz um Forschungsmittel und Lehrstühle an die Kognitionswissenschaften verloren habe. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Band eine archivarische Intention – anhand von Kommentaren zu Schlüsselwerken dokumentiert er die Spannbreite der Systemtheorie von Norbert Wiener (1948) bis zu Ranulph Glanville (1988). Ausgewählt worden sind primär Werke, bei denen die Theorie autopoietischer Systeme und die Kybernetik zweiter Ordnung im Mittelpunkt stehen.
Aus dem Inhalt:
Rudolf Stichweh:
Automaten. Über Norbert Wiener „Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine” (1948) (21-29)
Fritz B. Simon:
Im Netzwerk der Kommunikation. Über Juergen Ruesch und Gregory Bateson „Communication. The Social Matrix of Psychiatry” (1951) (31-49)
Stephan Fuchs:
Handlung ist System. Über Talcott Parsons' „The Social System“ (1951) (51-53)
Dirk Baecker:
Die Umwelt als Element des Systems. Über W. Ross Ashby „Design for a Brain: The Origin of Adaptive Behavior” (1952) (55-63)
Loet Leydesdorff:
Die Mathematik und andere Kurzsprachen. Über John von Neumann „The Computer and the Brain” (1958) (65-74)
Ranulph Glanville:
Lernen ist Interaktion. Über Gordon Pasks „An Approach to Cvbernetics” (1961) (75-94)
Mathias Albert / Jochen Walter:
Die Intelligenzfunktion der Politik. Über Karl W. Deutsch „The ‚Nerves of Government’“ (1963) (95-106)
Dirk Rustemeyer:
Gehirnmaschinen. Über Warren S. McCulloch „Embodiments of Mind” (1965) (107-117)
Dirk Baecker:
Kommunikation als Selektion. Über Donald M. MacKays „Information, Mechanism and Meaning“ (1969) (119-128)
Norbert Bolz:
Bausteine zu einer Designwissenschaft Über Herbert A. Simon „The Sciences of the Artificial” (1969) (129-143)
Gerard de Zeeuw:
Auf der Suche nach Wissen. Über Ludwig von Bertalanffy „General System Theory“ (1968) (145-171)
Louis H. Kauffman:
Das Prinzip der Unterscheidung. Über George Spencer-Brown „Laws of Form” (1969) (173-190)
Urs Stäheli:
Auf der Spur der Double Binds. Über Anthony Wilden „System and Structure: Essays in Communication and Exchange” (1972) (191-204)
Wolfram Lutterer:
Eine kybernetische Systemtheorie. Über Gregory Batesons „Steps to an Ecology of Mind” (1972) (205-215)
Giancarlo Corsi:
Die Einheit als Unterschied. Über Edgar Morin „La méthode” (1977-2001) (217-224)
David Köpf:
Mit dem Weltgeist rechnen. Über Gotthard Günther „Beiträge zu einer operationsfähigen Dialektik" (1976-1980) (225-241)
Christina Weiss:
Die In-formation der Autopoiesis. Über Francisco Varela „Principles of Biological Autonomy” (1979) (243-252)
Jean Clam
Die Zentralität des Paradoxen. Über Yves Barel „Le paradoxe et le Système: Essai sur le fantastique social” (1979) (253-265)
Jacques Miermont:
Komplexität durch Rauschen. Über Henri Atlans „Entre le cristal et la fumée: Essai sur l'organisation du vivant" (1979) (267-280)
Wolfgang Krohn / Holk Cruse:
Das Prinzip der Autopoiesis. Über Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela „Autopoiesis and Cognition” (1980) (281-289)
Elena Esposito:
Die Beobachtung der Kybernetik. Über Heinz von Foerster „Observing Systems” (1981) (291-302)
Helmut Willke:
Komplexität als Formprinzip. Über Niklas Luhmann „Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie” (1984) (303-323)
Bernard Scott:
Selbstbeobachtung. Über Ranulph Glanvilles Buch „Objekte” (1988) (325-346)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Dirk Baecker (Hrsg.): Schlüsselwerke der Systemtheorie Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22387-schluesselwerke-der-systemtheorie_25544, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25544
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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