/ 11.06.2013
Hans Woller
Rom, 28. Oktober 1922. Die faschistische Herausforderung
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1999 (20 Tage im 20. Jahrhundert); 278 S.; 19,90 DM; ISBN 3-423-30603-3Ausgehend vom historischen "Fanal" des erfolgreichen "Marsches auf Rom" der italienischen Faschisten unter Mussolinis Führung (den der Autor als nachträglich fabrizierte Legende dekonstruiert, welche die tatsächlichen Ereignisse - eher eine Machtergreifung nach Putschdrohung denn eine Revolution - zum Mythos des Siegeszuges der faschistischen Bewegung umdeutete) bietet der Band eine pointierte Darstellung dessen, was sein Autor als "die faschistische Herausforderung" begreift, "die sich gegen alles richtete, was Demokratie, Liberalismus und Menschenrechte hieß, und nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung der demokratischen und kommunistischen Welt zu bestehen war" (19). Damit ist der zeitliche und räumliche Rahmen gesteckt: Behandelt wird die Entstehung und Entwicklung der verschiedenen faschistischen bzw. faschistoiden Bewegungen in Europa vom Ende des Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Der Autor, Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München und Chefredakteur der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, nutzt dabei seine souveräne Kenntnis des Forschungsstandes, um die Definitionsproblematik hinsichtlich der ideologischen, politischen und historischen Merkmale "des" Faschismus im Sinne einer vergleichenden Behandlung von dessen verschiedenen europäischen Vertretern in der Phase ihrer größten Machtentfaltung aufzulösen. So untersucht er ihre Entstehungsbedingungen in den gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen der Zwischenkriegszeit, zunächst mit besonderem Augenmerk auf die Beispiele des italienischen Faschismus und des Nationalsozialismus. Die Erörterung der mehr (Ungarn, Rumänien, Österreich) oder weniger (Spanien, Frankreich, Belgien, Norwegen) erfolgreichen Bewegungen mit faschistischem Selbstverständnis oder kennzeichnender Nähe zu faschistischen Positionen schließt sich an. Für die Phase zwischen 1937 und 1945 konzentriert sich der Autor dann erneut auf die eminente Bedrohung, die von der aggressiven Expansionspolitik Italiens und des Deutschen Reiches ausging. Das radikalisierte nationalistische Expansionsstreben, das notwendig in den Krieg mündet, erscheint ihm dabei als zentrales Motiv der "faschistischen Herausforderung" und zugleich, in seiner Selbstüberschätzung der mobilisierbaren Ressourcen und Kräfte, als Ursache ihres Scheiterns gegenüber dem zunehmenden Widerstand der nicht-faschistischen Staaten bzw. Gesellschaften.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.25 | 2.61 | 2.62 | 2.31 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Hans Woller: Rom, 28. Oktober 1922. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9786-rom-28-oktober-1922_11539, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 11539
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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