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/ 05.06.2013
Carl-Friedrich Geyer (Hrsg.)

Religionsphilosophie der Neuzeit. Klassische Texte aus Philosophie, Soziologie und Politischer Theorie

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1999; VI, 260 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-534-14145-8
Von Gott zu reden, ist heutzutage etwas peinlich. So konstatiert der Herausgeber auch, daß in der Neuzeit, die Gott hat sterben lassen, an die Stelle der Befassung mit Gott "Überlegungen hinsichtlich möglicher Verhältnisbestimmungen zu jenen übertheoretischen Lebensmächten thematisch" (1) geworden seien, von denen die Aufklärung doch hatte befreien wollen. Schon die Begrifflichkeit zeigt, daß die Sache nicht ganz geheuer ist - bei Gott eigentlich nicht weiter verwunderlich -, und daß man sich, da jene "unhintergehbaren Lebensmächte" (25) sich offenbar hartnäckig allen Vernichtungsbemühungen widersetzen, dann wenigstens nicht mit ihnen, sondern mit dem eigenen Verhältnis zu ihnen beschäftigen will. Die theologische Perspektive wird durch die politische abgelöst, mitunter reduziert sich Religion sogar auf Psychologie - eine raffinierte Art, noch bei der Gottesfrage der eigenen Nabelschau nicht zu entsagen. Diese kritische Sicht auf den modernen Umgang mit der Religion ist allerdings nicht die des Herausgebers. Geyer präsentiert seine Textauswahl ohne Wertung, als Chronist der neuen Zeit. Inhalt: Carl-Friedrich Geyer: Einleitung. Anmerkungen zum Status und zur Funktion der Religion im Horizont neuzeitlicher diskursiver Verständigungsprozesse (1-29); Thomas Hobbes: Von der Religion (30-37); Immanuel Kant: Die Grundlage und die Auslegung aller Religion (38-53); Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Gliederung der Religionsphilosophie (54-65); Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: Über das Wesen der Religion (66-75); Ludwig Feuerbach: Das Wesen der Religion im allgemeinen (76-86); Karl Joel: Der Glaube des Atheisten (87-101); Hermann Siebeck: Religion als Ausweis von Normalität (102-111); Franz Overbeck: Das Religionsproblem der Gegenwart (112-123); Émile Durkheim: Definition des religiösen Phänomens und der Religion (124-148); Georg Simmel: Beiträge zur Erkenntnistheorie der Religion (149-157); Sigmund Freud: "Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen" (158-167); Max Weber: Die Religion im okzidentalen Rationalisierungsprozeß (168-184); Jacob Taubes: Vier Zeitalter der Vernunft (185-198); Niklas Luhmann: Religiöse Dogmatik und gesellschaftliche Evolution (199-210); Max Horkheimer: Was ist Religion? (211-215); Karl Jaspers: Der philosophische Glaube (216-224); Carl Schmitt: Der Ausnahmezustand (225-232); John Leslie Mackie: Die natürliche Geschichte der Religion (233-239); Leszek Kolakowski: Sprache und Religion (240-245); Jürgen Habermas: Israel oder Athen: Wem gehört die anamnetische Vernunft? (246-254).
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Carl-Friedrich Geyer (Hrsg.): Religionsphilosophie der Neuzeit. Darmstadt: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8257-religionsphilosophie-der-neuzeit_10888, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10888 Rezension drucken
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