/ 22.06.2013
Kari Palonen (Hrsg.)
Redescriptions 14
Berlin: Lit 2010 (Yearbook of Political Thought, Conceptual History and Feminist Theory); 209 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-99916-0Fast wie eine Pointe ist der originelle Beitrag von Glen Newey in diesem insgesamt lesenswerten Jahrbuch zum Schluss verschiedener Überlegungen zur parlamentarischen Demokratie platziert. Er beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen der theoretischen Auffassung davon, dass sich in den Entscheidungen einer parlamentarischen Demokratie der Volkswille ausdrückt, und der praktischen Erfahrung, dass immer wieder viele Bürger diese Entscheidungen für falsch halten – und in diesem Moment auch nicht der Demos sind. Newey illustriert dies an zwei Beispielen, zum einen an der US-Präsidentschaftswahl 2000, als infolge politischer, wahltechnischer und juristischer Fehlentscheidungen nicht Al Gore siegte, obwohl er die meisten Wählerstimmen erhalten hatte; zum anderen an der Vorgeschichte der Irak-Invasion 2003. In Großbritannien hatte sich eine Opposition gegen eine Kriegsbeteiligung formiert, trotzdem entschied sich die Regierung dafür – auf der Grundlage von Fehlinformationen. Da nun aber Fehler niemals auszuschließen sind, formuliert Newey – in Verknüpfung mit dem Freiheitsbegriff und einer an Nietzsche angelehnten Frage nach der Moral – die These, dass der Ärger quasi das Schicksal der Demokratie ist: „Resentment is as fixed a fact of daily life as dissent is of democratic life.“ (165)
Der parlamentarischen Demokratie sind drei weiteren Beiträge gewidmet, Kari Palonen etwa fragt in einem Gedankenexperiment, inwieweit sich deren Prozesse wieder stärker mit den Wahlen verbinden, sich die Wahlen selbst parlamentarisieren lassen. Er wendete sich damit gegen den vor allem in den USA zu beobachtenden Trend, dass die Wahlen nur noch ein Medienereignis sind. Es besteht seiner Ansicht nach die Gefahr, dass sich wieder älteren, vorparlamentarischen Formen zugewandt wird und damit einer Tradition, bei der ohne Debatte gewählt wurde. Palonen überlegt, ob nicht die Parlamente selbst die Wahlen durchführen sollten – Kandidaten und Inhalte würden mehr Gewicht erhalten. In weiteren Beiträgen werden theoretische Fragen (zu Hobbes und Foucault) erörtert, Arcadius R. L. Gurland vorgestellt sowie in einem historischen Rückblick an einem Beispiel aus Finnland die Wahrnehmung von Frauen untersucht.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.1 | 5.46 | 5.32 | 5.41 | 1.1
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Kari Palonen (Hrsg.): Redescriptions 14 Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33276-redescriptions-14_39795, veröffentlicht am 24.03.2011.
Buch-Nr.: 39795
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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