/ 18.06.2013
Peter Landau
Rechtsphilosophie unter der Diktatur. Drei Beispiele deutschen Rechtsdenkens während des Zweiten Weltkriegs
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002 (Würzburger Vorträge zur Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Rechtssoziologie 29); 32 S.; brosch., 12,- €; ISBN 3-7890-7723-2Der kurze Text geht auf einen Vortrag an der Universität Würzburg zurück, den der Autor im Juli 2001 gehalten hat. Er befasst sich darin mit drei Beispielen für das Rechtsdenken im Nationalsozialismus. Bewusst sucht er sich Beispiele aus den 40er-Jahren; einerseits weil bislang die meisten juristischen Untersuchungen zur Rechtsgeschichte im Nationalsozialismus die ersten sechs Jahre des Regimes ins Zentrum gestellt hatten, andererseits da er vermutet, "daß in der seit Ende 1941 für Deutschland zunehmend düsteren Kriegslage und der allgegenwärtigen Repression des totalen Überwachungsstaats im Alltag der Bombennächte vielfach der anfängliche Enthusiasmus eines Großteils deutscher Juristen für den Führerstaat und sein mit dem gesunden Volksempfinden legitimiertes Recht geschwunden war" (5). Und so sucht er in drei rechtshistorischen beziehungsweise rechtsphilosophischen Veröffentlichungen von Franz Wieacker, Carl Schmitt und Erik Wolf nach Anzeichen für eine Distanzierung vom Regime. Er findet jeweils "eine immanente Kritik der Rechtsideologie des Hitlerregimes" (12), allerdings keine klaren Vorstellungen, wodurch diese ersetzt werden könnte. Wieacker wendet sich mit einer "geradezu schwärmerischen Gemeinschaftsideologie" (13) gegen das Unrechtssystem; Schmitt vertraut auf die Selbstheilungskräfte des Juristenstandes, in dem die Tradition des europäischen Rechtssystems aufgehoben sei, nachdem er 1933 selbst führend an der geistigen Kapitulation des gleichen Juristenstandes mitgewirkt hatte; Wolf schließlich zieht sich darauf zurück, dass "es nur ein ahnendes Nichtwissen des Rechts" (27) geben könne. Landau geht sehr wohlwollend mit seinen Protagonisten um, wenn er diese Äußerungen als sichere Anzeichen für eine Distanzierung von den ideellen Grundlagen des Regimes deutet, nachdem er die zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen für diesen Sinneswandel - düstere Kriegslage, Repression, Bombennächte - hervorgehoben hat.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Peter Landau: Rechtsphilosophie unter der Diktatur. Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17153-rechtsphilosophie-unter-der-diktatur_19732, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19732
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Dr., Politikwissenschaftler.
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