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/ 20.06.2013
Mirko Wischke / Andrzej Przylebski (Hrsg.)

Recht ohne Gerechtigkeit? Hegel und die Grundlagen des Rechtsstaates

Würzburg: Königshausen & Neumann 2010; 270 S.; brosch., 49,80 €; ISBN 978-3-8260-3636-1
Die politische Philosophie Hegels erfährt seit einigen Jahren eine neue Aufmerksamkeit. In diesem Sammelband wird diese Renaissance der Auseinandersetzung mit dem Fokus auf das Verhältnis von Recht, Staat, Politik und Philosophie reflektiert. Er geht auf eine Tagung vom Oktober 2007 an der Universität Poznan (Polen) zurück. Neben der Annäherung an die in den Vorlesungen zur Rechtsphilosophie 1821 niedergelegten Überlegungen zum Rechtsstaat im ersten Teil gewinnt der Band durch die ideengeschichtliche Kontextualisierung der Fragestellung und ihre Bezugnahme zum gegenwärtigen politischen Diskurs in der zweiten Hälfte. Wie ist das Recht als Raum und Garant der Freiheit des Subjekts im Denken Hegels ausgestaltet? Wie Kant so geht auch Hegel davon aus, dass das Recht die Grundlage des Staates bildet. Rechtsstaatlichkeit meint die Schaffung eines Rechtsraumes durch den Staat, in welchem sich der Bürger als Citoyen und Bourgeois bewegt. Aus der Allgemeinheit des Gesetzes folgen die institutionalisierte Rechtsprechung und deren Öffentlichkeit. Nur in diesem Sinne ist der Hegel’sche Staat ein Rechtsstaat, er kennt keine vor dem Rechtsraum bestehenden Grund- und Menschenrechte. Sicherheit und Freiheit erlangt der Bürger innerhalb der staatlichen Institutionen. Das Gesetz ist also nicht etwas von außen aufgelegtes, sondern findet seine Legitimation als Ausdruck des einzelnen Willens. Im Staat werden die Vernunft und der Geist der Zeit sichtbar. Nicht nur aufgrund der heute empfundenen Krise des Staates, sondern auch in der Debatte über eine Weltgesellschaft oder einen demokratischen Weltstaat erfährt die Philosophie Hegels neben der Kants erneuertes Interesse. Przylebski argumentiert in dieser Frage, dass das internationale Recht bei Hegel keine solche Stellung wie das innere Staatsrecht entwickeln konnte. Bezüglich der Nachfrage, ob staatliche Souveränität daher begrenzt werden muss, um einen Weltstaat zu ermöglichen, bleibt Przylebski unter Rückgriff auf Hegel skeptisch, da es keinen von allen Beteiligten anerkannten internationalen Schiedsrichter gebe.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Mirko Wischke / Andrzej Przylebski (Hrsg.): Recht ohne Gerechtigkeit? Würzburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21859-recht-ohne-gerechtigkeit_33420, veröffentlicht am 08.07.2010. Buch-Nr.: 33420 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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