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/ 18.06.2013
Roland Benedikter (Hrsg.)

Postmaterialismus. Band 6: Die Globalisierung

Wien: Passagen Verlag 2004; 135 S.; brosch., 22,- €; ISBN 3-85165-534-6
Die Autoren nehmen eine kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Globalisierungstheorien vor. Als gemeinsamer Topos liegt allen drei Beiträgen folgende These zugrunde: Globalisierung wird einerseits bislang hauptsächlich aus der reduktionistischen Perspektive eines materialistischen Neoliberalismus reflektiert, der einseitig wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellt. Eine Kritik an dieser Sichtweise aus dem alternativen und humanistischen Lager erschöpft sich aber andererseits in Protestnoten, denen eine konkrete Strukturanalyse ebenso fehlt wie konkrete Veränderungsperspektiven. Demgegenüber wollen die Autoren die Grundlagen eines liberalismuskritischen „Makro-Entwicklungsbilds" für Globalisierung freilegen. Im ersten Beitrag skizziert Nicanor Perlas drei Weltanschauungen, die „derzeit um die Kontrolle über die Zukunft des Planeten" (35) wettstreiten. Der neoliberalen Vorstellung des Globus als „McWorld" und der fundamentalistischen Antwort des „Jihad" stehe die Vorstellung der Welt als „Civitas" gegenüber, die gegen die Monismen neoliberaler und fundamentalistischer Provenienz auf die Unabhängigkeit der Wertsphären Politik, Wirtschaft und Kultur poche. Im zweiten Beitrag versucht Ulrich Rösch die erkenntnistheoretischen Grundlagen einer postmaterialistischen Globalisierungstheorie darzustellen. An die Stelle des Betrachtens von Faktizitäten habe das Verstehen von Prozessen zu treten. Michael Hirsch vertritt die These, das Zeitalter der Globalisierung sei bislang ein Zeitalter der Gegenaufklärung. Die globalisierte Gesellschaft erhalte eine „mythische Gestalt" (111), sie erscheine als Schicksal und zweite Natur. Diese an Adorno angelehnte Gedankenfigur hält der Autor bis zum Schluss seines Essays durch und zahlt dafür den Preis strikter Negativität: „Postmaterialismus heißt gegenwärtig, falschen Formen der Globalisierung kritisch gegenüberzustehen und sie zu dekonstruieren." (132) Aus dem Inhalt: Nicanor Perlas: Globalisierung, Postmaterialismus und Dreigliederung (35-70) Ulrich Rösch: Eine andere Welt ist möglich. Elemente für ein postmaterialisches Verständnis der Globalisierung (71-109) Michael Hirsch: Postmaterialismus und globale Zivilgesellschaft (111-133)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.424.43 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Roland Benedikter (Hrsg.): Postmaterialismus. Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17846-postmaterialismus_20583, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20583 Rezension drucken
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