/ 05.06.2013
Brigitte Rauschenbach
Politische Philosophie und Geschlechterordnung. Eine Einführung
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1998; 242 S.; kart., 39,- DM; ISBN 3-593-36131-0Das Buch der Berliner Philosophin, Politikwissenschaftlerin und Psychologin nennt sich zwar "Eine Einführung", behandelt aber einen weiteren Horizont, als dieser bescheidene Untertitel vermuten läßt. Rauschenbach verfolgt eine doppelte Fragestellung: zum einen will sie ideenhistorisch die Verknüpfung politischen Denkens mit der Geschlechterordnung untersuchen, zum anderen will sie zentrale politikwissenschaftliche Kategorien auf ihre mögliche Abhängigkeit von der Realität der Geschlechterbeziehungen befragen. Der ersten Frage gehen die beiden Einleitungskapitel anhand der antiken und der klassisch-neuzeitlichen politischen Philosophie (v. a. Machiavelli bis Hegel) nach, der zweiten Frage die Kapitel III (Krieg und Frieden), IV (Gerechtigkeit) und V/VI (Freiheit, Gleichheit, Solidarität). Die beiden Schlußkapitel behandeln mit dem Begriff des Anderen und der Politik der Erinnerung neuere Themenstellungen, besonders in Auseinandersetzung mit der französischen Philosophie (wobei Rauschenbach Foucault unberücksichtigt läßt) und Hannah Arendt. Natürlich muß die Prämisse des Buches sein, daß die bisherige Ideengeschichte die Geschlechterthematik in diesem Kontext vernachlässigt hat; sonst wäre es überflüssig. Aber Rauschenbach vermeidet den Fehler, hier eine gigantische Verschwörung zu sehen, dem manche andere Autorin nicht entgeht. Im Gegenteil, ihr geradezu betont unaufgeregtes, kenntnisreich mit der Theorie jonglierendes und immer wieder auf die Antike rekurrierendes Buch schafft es, ohne Anklage (ja, ohne Klage) auf Defizite hinzuweisen. Es ist kurz und konzise, und wenn es dadurch notwendigerweise nicht in jedem Fall in die Tiefe steigen kann, sind die thematischen Verknüpfungen durchweg überzeugend gewählt. Insofern besteht auch der Untertitel völlig zu Recht; das Buch ist in seiner anregenden und diskussionsstimulierenden Art geeignet, in Anfängerkursen zur politischen Ideengeschichte Verwendung zu finden. Nicht an Stelle der gängigen Lehrbücher, sondern in Ergänzung zu ihnen - aber als Ergänzung genau zu den Fragestellungen, die man in ihnen in aller Regel vergeblich suchen wird.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.1 | 5.42 | 5.44 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Brigitte Rauschenbach: Politische Philosophie und Geschlechterordnung. Frankfurt a. M./New York: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6449-politische-philosophie-und-geschlechterordnung_8759, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8759
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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