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/ 19.06.2013
Kerstin Heydenreich-Burck

Politische Institutionen und Sozialkapital. Ein internationaler Vergleich der Determinanten sozialen Kapitals

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2010 (Empirische und methodologische Beiträge zur Sozialwissenschaft 27); 408 S.; 57,80 €; ISBN 978-3-631-60851-7
Politikwiss. Diss. Mainz; Gutachter: V. Kunz. – Bürgerschaftliches Engagement und Gemeinsinn spielen eine Schlüsselrolle für die politische und ökonomische Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft, lautet eine in der politischen Praxis wie in der Sozial-Kapital-Forschung weit verbreitete Erkenntnis. Welche Faktoren die Herausbildung von Sozialkapital begünstigen, sei bisher nur in Ansätzen und mit Bezug auf kulturelle Traditionen, Persönlichkeitsmerkmale oder sozio-ökonomische Aspekte erforscht worden, erläutert die Autorin. Die Relevanz politisch-institutioneller Determinanten werde zwar zunehmend betont, deren Bedeutung sei aber bisher empirisch kaum geklärt. Vor diesem Hintergrund und auf der Grundlage einer systematischen Aufbereitung der Sozialkapital-Forschung unternimmt sie eine international vergleichende Querschnittsanalyse ausgewählter politisch-institutioneller Faktoren. Die konzeptionelle Basis ist der Neoinstitutionalismus. Untersucht werden der Einfluss formaler Institutionen wie – als allgemeiner Faktor – das Demokratieniveau und – als konkrete Faktoren – das Parteien- und Wahlsystem sowie die Ausgestaltung von Korporatismus, Föderalismus, Wohlfahrtsstaat und direkter Demokratie. Die quantitative Analyse ist zweistufig aufgebaut: Für einen ersten Hypothesentest, der sich auf den Zusammenhang zwischen Demokratieniveau und Sozialkapital bezieht, wurden 44 demokratische und nichtdemokratische Länder herangezogen. Die Annahme, dass das Demokratieniveau einen Einfluss auf die Herausbildung von Sozialkapital hat, konnte darin nicht bestätigt werden. Positive Effekte zeigten sich allenfalls in entwickelten Ländern. Die übrigen Faktoren wurden in einer zweiten Stufe für die OECD-Staaten geprüft. „Parteiensysteme mit einer geringen Anzahl politischer Parteien, Verhältniswahlsystem, ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative und eine korporatistisch geprägte Staats-Verbände-Struktur“, so zeigen die Ergebnisse, wirken sich „positiv auf das soziale Kapital“ (341) aus. Die Ausprägung von Föderalismus und direkter Demokratie zeigten hingegen keine Effekte. Die Autorin liefert mit ihrer Arbeit lohnende Hinweise auf die Bedeutung politisch-institutioneller Arrangements für die Entstehung von Sozialkapital und bietet eine bestens geeignete Grundlage für die weitere Forschung.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.225.42 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Kerstin Heydenreich-Burck: Politische Institutionen und Sozialkapital. Frankfurt a. M. u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21651-politische-institutionen-und-sozialkapital_40406, veröffentlicht am 08.09.2011. Buch-Nr.: 40406 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA