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/ 22.06.2013
B. Sharon Byrd / Joachim Hruschka / Jan C. Joerden (Hrsg.)

Politische Ethik/Political Ethics

Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Jahrbuch für Recht und Ethik 19 (2011)); XI, 536 S.; 98,- €; ISBN 978-3-428-13715-2
Achtundzwanzig Aufsätze renommierter Autorinnen und Autoren präsentieren eine gute Übersicht gegenwärtiger Debatten sowie grundlegender Diskussionen im weiten Bereich der Politischen Ethik, der sowohl geisteswissenschaftliche wie gesellschaftswissenschaftliche Themen umfasst. Einleitend werden Grundfragen erörtert, unter anderem, wie man unter den Bedingungen der säkularen Moderne den Autonomiespielraum des Gewissens bestimmen könne (Christian Mönter und Walter Reese-Schäfer). Diese Überlegungen münden allerdings in der vagen Aussicht, eine „komplexere Ethik zu konzeptionalisieren“ (80), die jenseits der Kontroverse zwischen Universalisten und Relativisten stehen werde. Es folgen vier Aufsätze, in denen aktuelle Herausforderungen im Themenfeld Menschenrechte analysiert werden; hier ist der Beitrag von Angelika Dörfler-Dierken hervorzuheben, die sich mit der Frage nach dem Umgang mit Ritualen in der Bundeswehr auseinandersetzt: Weil Rituale durchaus strukturierende und stabilisierende Funktion haben, müssten sie ethisch bewertet werden. Schlechte Rituale, die Ekel oder Scham evozieren und daher nicht akzeptabel seien, erkenne man an ihrer Missachtung der Menschenwürde. Die Verhältnisbestimmung der Politischen Ethik zum Recht wird in fünf Beiträgen differenziert ausgeleuchtet. Es folgen drei Aufsätze aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen Politischer Ethik. In den brisanten Themenbereich „Zuschreibung von Verantwortung“ führt Alexander Aichele mit einer grundlegenden Studie zu Pufendorf ein. Héctor Wittwer widmet sich ebenfalls diesem Thema. Er weist in einem bedenkenswerten Aufsatz die Forderung mancher Neurowissenschaftler zurück, das Schuldprinzip im Strafrecht aufzugeben. Er legt dar, dass der dieser Forderung zugrunde liegende starke Determinismus auch auf die Forderung selbst angewandt werden müsste und sie somit sinnlos erscheinen ließe: Denn es wären nicht nur die Straftäter fremdbestimmt, sondern auch die Beamten in den Behörden, denen man folglich auch keine Handlungsfreiräume zur Änderung zumuten könne.
Volker Stümke (VS)
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
Rubrizierung: 5.445.42 Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: B. Sharon Byrd / Joachim Hruschka / Jan C. Joerden (Hrsg.): Politische Ethik/Political Ethics Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34614-politische-ethikpolitical-ethics_41593, veröffentlicht am 23.02.2012. Buch-Nr.: 41593 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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