/ 20.06.2013
Jorge Edwards
Persona non grata. Aus dem chilenischen Spanisch von Sabine Giersberg und Angelica Ammar
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2006; 284 S.; geb., 22,50 €; ISBN 3-8031-3201-0Das Reich Fidel Castros sei Kafkas Erzählungen ähnlicher als den Schriften von Karl Marx, schreibt Edwards. Der chilenische Schriftsteller war Ende 1970 für wenige Monate der erste diplomatische Vertreter der Regierung von Salvador Allende in Havanna. Seine Erlebnisse beschreibt er in diesem Buch, das 1973 in Barcelona erschien und erst jetzt auf Deutsch vorliegt. Edwards sollte die Ankunft des regulären Botschafters vorbereiten, konnte aber nur ungläubig das ausgesprochen unkooperative Verhalten des kubanischen Regimes zur Kenntnis nehmen. Edwards selbst verstand sich als Anhänger der Revolution. Dann aber fragte er sich, warum ausgerechnet er auf diese Insel geschickt worden war. Ganz offensichtlich wurde er als Revolutionsgegner angesehen, weil er auf einem Kulturkongress 1968 in Havanna der Meinung gewesen war, der Erzähler Fuentes sollte mit einem Preis ausgezeichnet werden – dieser war in den Augen des Regimes aber in Ungnade gefallen. Auch Edwards war damit zur „persona non grata“ geworden. Diesen Schluss musste er allerdings selbst ziehen, vor allem angesichts der massiven Bespitzelung, die ihm zuteil wurde. Trotzdem traf sich Castro zu zwei Gesprächen mit ihm. So hatte Edwards die Gelegenheit, ihm den Unterschied zwischen einen Revolutionsgegner und einem kritischen Unterstützer zu erklären – allerdings ohne sichtbare Konsequenzen. Edwards nimmt für sich nur in Anspruch, seine persönlichen und unübertragbaren Erfahrungen zu erzählen. Er habe damit verhindern wollen, dass Allende einen ähnlich diktatorischen Weg wie Castro einschlüge und außerdem seine tiefe Solidarität mit den Schriftstellern Kubas ausdrücken wollen. Das Buch lohnt auch heute noch die Lektüre. Allein durch die Schilderung seiner eigenen Erlebnisse erklärt Edwards fast en passant den Charakter des Regimes: Während Solidarität und Freundschaft eingefordert werden, arbeitet im Hintergrund der Spitzeldienst der Staatssicherheit.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jorge Edwards: Persona non grata. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25512-persona-non-grata_29587, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29587
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