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/ 17.06.2013
Wolf Gruner

Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkungen lokaler und zentraler Politik im NS-Staat (1933-1942)

München: R. Oldenbourg Verlag 2002 (Studien zur Zeitgeschichte 62); 362 S.; 49,80 €; ISBN 3-486-56613-X
Schon Jahre vor der zentralen Verordnung vom November 1938, die den Ausschluss der jüdischen Armen aus dem staatlichen Fürsorgesystem dekretierte, hatten finanzielle Interessen und sozialrassistische Konzepte innerhalb der Öffentlichen Wohlfahrtspflege dazu geführt, dass jüdische Angestellte entlassen und Wohlfahrtsempfänger durch Leistungskürzungen und Isolierung diskriminiert wurden. Gruner dokumentiert auf einer umfangreichen Quellenbasis erstmals die Impulsfunktion kommunaler Initiativen für den Verlauf der NS-Judenverfolgung. Die vergleichende Darstellung der Politik deutscher Großstädte und Wiens birgt überraschende Ergebnisse zum Verhältnis von lokaler Verwaltung und Gestapo. Es zeigt sich, dass die "soziale" Enteignung jüdischer Staatsbürger durch Beamte und Angestellte der staatlichen Fürsorge ein wichtiges, bisher zu wenig beachtetes Element der Vorgeschichte des Holocaust ist.
Kaspar Nürnberg (KN)
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Kaspar Nürnberg, Rezension zu: Wolf Gruner: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16855-oeffentliche-wohlfahrt-und-judenverfolgung_19366, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19366 Rezension drucken
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