/ 22.06.2013
Wolfgang Küttler / Matthias Middell (Hrsg.)
Nation und Revolution. Beiträge eines wissenschaftlichen Kolloquiums der Leibnitz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin aus Anlass des 100. Geburtstags von Ernst Engelberg und Walter Markov
Leipzig: Akademische Verlagsanstalt 2011 (Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur im 20. Jahrhundert 11); 231 S.; 33,- €; ISBN 978-3-931982-70-6Die Beiträge des Bandes, die aus einem anlässlich der 100. Geburtstage von Ernst Engelberg und Walter Markov veranstalteten Kolloquium der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften hervorgehen, sind der Geschichtsschreibung der beiden Koryphäen der Geschichtswissenschaft der DDR gewidmet. Im Zentrum stehen dabei die Begriffe Nation und Revolution, die in den Arbeiten Markovs und Engelbergs zentrale Positionen einnehmen. Die Autoren, überwiegend Historiker, beleuchten die Gründe für die Renaissance der Begriffe Revolution und Nation in zeitgenössischen geschichts- und sozialwissenschaftlichen Diskursen und weisen in diesem Zusammenhang auf die Aktualität der Forschungen Markovs und Engelbergs hin. Sie polemisieren damit gegen ein in den 90er-Jahren vorherrschendes Erzählmuster, das die Begriffe Nation und Revolution als historisch gewordene Konzepte verabschiedete. Im Zeitgeist des ausgehenden 20. Jahrhunderts war die Nation dem Konzept der „globalen Risikogesellschaft“ (Beck) gewichen; die Topoi des revolutionären Bruchs und Neuanfangs machten dem politischen Ideal eines kontinuierlichen, dialogbasierten Reformprozesses Platz, der zwischen unterschiedlichen Identitäts- und Interessengruppen einen fairen und rationalen Ausgleich schaffen sollte. Nur wenige Jahre später scheint sich das ehemals hegemoniale Narrativ eines marktwirtschaftlich-liberaldemokratischen Endes der Geschichte als eurozentristischer Mythos zu entlarven. Unter dem Eindruck der Colored Revolutions in Osteuropa, den revolutionären Umbrüchen in der arabischen Welt, den Erfolgen linksnationalistischer Populismen in Lateinamerika und den jüngsten politischen Bewegungen in Südeuropa, aber auch angesichts der nationalstaatlichen Rettung eines deregulierten Bankensektors feiern die beiden „totgesagten Kategorien“ (7) ein Comeback. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Ereignisse, das zeigen die Autoren, erweisen sich die Geschichtsschreibungen Engelbergs und Markovs trotz ihres bisweilen orthodoxen Ökonomismus als ein wertvolles Ideenreservoir.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.25 | 2.314 | 2.35 | 2.67 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Wolfgang Küttler / Matthias Middell (Hrsg.): Nation und Revolution. Leipzig: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34243-nation-und-revolution_41096, veröffentlicht am 20.10.2011.
Buch-Nr.: 41096
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M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
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