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/ 22.06.2013
Fernando Esposito

Mythische Moderne. Aviatik, Faschismus und die Sehnsucht nach Ordnung in Deutschland und Italien

München: R. Oldenbourg Verlag 2011 (Ordnungssysteme 32); 480 S.; geb., 64,80 €; ISBN 978-3-486-59810-0
Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Begutachtung: A. Doering-Manteuffel. – Im Zentrum der Arbeit steht die These, dass zwischen Aviatik und Faschismus ein innerer, geistiger Zusammenhang besteht. Den Kern des faschistischen Denkens bilde die Sehnsucht nach einer neuen, perfekten Ordnung. Das Flugzeug und der Flieger verkörperten auf einzigartige Weise das Bild des „Aufstiegs“ in diese ewige Ordnung und sie betonten zugleich die Dynamik der faschistischen Bewegungen. Indem der Aviatikdiskurs der Zeit zwischen 1909 und 1939 in Deutschland und Italien an einzelnen Beispielen dargestellt wird, werden zentrale Topoi faschistischer Ordnungsvorstellungen herausgearbeitet. Als Kronzeugen dienen Esposito dabei unter anderem der Kunsthistoriker Aby Warburg, der italienische Dichter Gabriele d’Annunzio, die Werke Ernst Jüngers, die Legendenbildung um die „Fliegerhelden“ des Ersten Weltkrieges und vieles mehr. In einem stark theoretisch überformten Schlusskapitel widmet sich Esposito dann dem Zusammenhang von Mythos und Moderne. Den Hintergrund dieser Ausführungen bilden in erster Linie die Überlegungen Zygmunt Baumans zu Moderne und Ambivalenz. Der heuristische Wert des Mythosbegriffs für die Faschismusanalyse zeige sich in fünf Punkten: Erstens verweise er auf das Konzept der Palingenese, der Neugeburt einer Ordnung auf dem Boden einer toten, dekadenten Un-Ordnung als mythischen Kern des Faschismus. Zweitens erlaube es der Mythosbegriff, den Faschismus als Antwort auf die Krise der Vernunft zu verstehen. Drittens antworte der Faschismus in ähnlicher Weise auf die Krise des Historismus und Wertrelativismus mit der Propagierung ewiger und „heiliger“ Werte. Viertens könne mithilfe des Mythosbegriffs die Deutung des Faschismus als politischer Religion mit der Ästhetisierung der Politik verknüpft werden. Und fünftens – das ist der zentrale Punkt – erschienen mithilfe des Mythosbegriffs Faschismus und Moderne nicht mehr als Gegensätze.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.252.612.312 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Fernando Esposito: Mythische Moderne. München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34925-mythische-moderne_41994, veröffentlicht am 24.05.2012. Buch-Nr.: 41994 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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