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/ 18.06.2013
Enzo Traverso

Moderne und Gewalt. Eine europäische Genealogie des Nazi-Terrors. Aus dem Französischen von Paul B. Kleiser

Köln: Neuer ISP Verlag 2003; 160 S.; 15,- €; ISBN 3-89900-106-0
„Diese genealogische Studie sieht die Gewalt des Nationalsozialismus im Rahmen einer ‚longue durée' in der europäischen Geschichte, aber sie leitet sie nicht als eine Art unausweichlicher Automatismus aus jener Geschichte ab, als gäbe es eine unerbittliche und fatale Kausalität. Wenn Auschwitz auch ein Produkt der westlichen Zivilisation war, so wäre es doch extrem vereinfachend, darin ihr natürliches Ergebnis sehen zu wollen. (Schon eher wäre Auschwitz als ihr pathologischer Ausdruck zu interpretieren.) Es geht mir vielmehr darum, die Verkettung von Elementen, die die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten möglich gemacht haben, herauszuarbeiten." (151) Jene Elemente entdeckt er in der Rationalisierung der Verwaltung und des Strafvollzugs, im Fordismus, in Rassismus und Eugenik sowie in den Grausamkeiten des Kolonialismus und des Ersten Weltkriegs. Der provokative Essay vermeidet Schuldzuweisungen und demonstrative Verurteilungen der westlichen Zivilisation, entwickelt aber ‑ in Anlehnung an Arendt ‑ die Ursprünge des Nationalsozialismus. „Die in dieser Studie skizzierte Genealogie betont die Zugehörigkeit der Gewalt und der Verbrechen des Nationalsozialismus zum gemeinsamen Fundus der westlichen Kultur. Sie macht aus Auschwitz nicht das endlich entschleierte tiefere Wesen des Westens, sie zeigt aber, dass es eines ihrer möglichen Produkte und in diesem Sinn einer ihrer legitimen Söhne ist." (152)
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.232.3125.43 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Enzo Traverso: Moderne und Gewalt. Köln: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17827-moderne-und-gewalt_20561, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20561 Rezension drucken
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