/ 22.06.2013
Rainer Rupp / Karl Rehbaum / Klaus Eichner
Militärspionage. Die DDR-Aufklärung in NATO und Bundeswehr
Berlin: edition ost 2011 (Geschichte der HVA 6); 286 S.; 14,95 €; ISBN 978-3-360-01828-1In Zeiten eines erheblichen außenpolitischen Konfliktpotenzials hat die Militärspionage seit jeher eine herausragende Rolle gespielt, denn sie sorgte mitunter für die Informationen, die der eigenen Seite einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Feind verschafften. Während der Zeit der Blockkonfrontation haben die Geheimdienste beider Seiten diesbezüglich Höchstleistungen vollbracht und so zum Gleichgewicht des Schreckens beigetragen. In acht Kapiteln behandeln die Autoren dieses Bandes, die allesamt ranghohe Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR waren, unter anderem die ersten Schritte der Militäraufklärung in der DDR, die Remilitarisierung Westdeutschlands und die Rolle der Bundeswehr, die NATO im Kalten Krieg sowie die Abrüstungsverhandlungen zwischen Ost und West. Am Ende berichtet Rainer Rupp, der unter dem Decknamen „Topas“ zweifellos zu den besten seines Metiers gehörte, über seine Arbeit im NATO-Hauptquartier und über seine verantwortungsvolle Aufgabe zur Erhaltung des Friedens in Europa und in der Welt. Und hierin liegt eine der Schwächen des Bandes, denn die Autoren legitimieren ihre Arbeit für das MfS nachträglich mit ihrer Liebe zum Frieden. Nicht nur, dass sie dem Westen dadurch eine einseitig aggressive Politik gegenüber dem friedliebenden sozialistischen Block unterstellen, gelten ihnen die inoffiziellen Mitarbeiter des MfS pauschal als Patrioten, die zur Sicherung der DDR und ihrer Verbündeten beigetragen haben. In dieser sehr einseitigen, auf dünner und zumeist politisch tendenziöser Quellenlage basierenden Betrachtung, die die Welt in Gut und Böse teilt, erlaubt die gewählte Innen- und Rechtfertigungsperspektive kaum tiefere Einblicke in die Motive des Gegners. Sätze wie der, dass auf beiden Seiten Bedrohungslegenden kursierten, bleiben eine seltene Ausnahme, sodass jede Behauptung und jedes Argument unter dem Vorbehalt der von den Autoren betriebenen ideologisch motivierten Ehrenrettung des MfS gelesen werden muss. Die Aufarbeitung eines eigentlich sehr spannenden Themas wird auf diese Weise konterkariert.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Rainer Rupp / Karl Rehbaum / Klaus Eichner: Militärspionage. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34271-militaerspionage_41132, veröffentlicht am 13.10.2011.
Buch-Nr.: 41132
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M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
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