/ 20.06.2013
Hannibal Velliadis
Metaxas – Hitler. Griechisch-deutsche Beziehungen während der Metaxas-Diktatur 1936-1941
Berlin: Duncker & Humblot 2006 (Zeitgeschichtliche Forschungen 28); 265 S.; 38,- €; ISBN 978-3-428-11866-3„Hätte Griechenland vielleicht, wenn Metaxas sich bemüht hätte, eine realistischere Politik zu verfolgen, die Hölle des 2. Weltkrieges vermeiden können, der sie anschließend auch noch in den Bürgerkrieg führte?“ (10) Velliadis, griechischer Botschafter a. D., geht dieser Frage vom Zeitpunkt der Machtübernahme des Diktators 1936 bis zu dessen Tod und dem kurz darauf erfolgten deutschen Angriff auf Griechenland 1941 nach. Rekonstruiert werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland, ergänzt durch eine Analyse der sich darauf beziehenden Aspekte in den Beziehungen zwischen Griechenland und Großbritannien sowie Deutschland und Italien. Großbritannien spielte als (potenzieller) Verbündeter eine wesentliche Rolle, Italien wiederum griff 1940 ohne Zustimmung Hitlers glücklos Griechenland an. Velliadis beschreibt die Versuche Metaxas’, solange wie möglich Griechenland als neutral erscheinen zu lassen, um damit einen Angriff Deutschlands auf sein Land abzuwenden. Tatsächlich aber, so der Autor, sei Metaxas ein verlässlicher Freund Großbritanniens gewesen und habe damit die Sicherheit Griechenlands gefährdet. Velliadis kommt damit zu einer negativen Bewertung der Außenpolitik Metaxas‘, da dieser Griechenland aus seiner Neutralität gelöst und in ein Bündnis mit Großbritannien gesperrt habe, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten – zu dieser seien die Briten militärisch nicht in der Lage gewesen. Diese Argumentation mag in sich schlüssig sein, hinterlässt allerdings einen faden Beigeschmack. Velliadis betont mehrmals, dass Hitler keinen Krieg auf dem Balkan habe führen wollen und wirft Metaxas vor, sich – in höchster Not, wie anzufügen ist – gegen eine unsicherere Neutralität entschieden zu haben, von der (wie er schreibt) keineswegs sicher gewesen wäre, ob sie einen deutschen Angriff abgewendet hätte. Ein wenig mehr Abstand von den selbst erzeugten militärischen Zwängen der Nationalsozialisten hätte dieser Analyse gut getan.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.61 | 2.312 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hannibal Velliadis: Metaxas – Hitler. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26021-metaxas--hitler_30265, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30265
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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