Skip to main content
/ 17.06.2013
Gianluigi Nuzzi / Claudio Antonelli

Metastasen. Ein Kronzeuge der 'Ndrangheta enthüllt die Geheimnisse des größten Familienunternehmens der Welt. Aus dem Italienischen von Elisabeth Liebl

Salzburg: ecowin 2010; 279 S.; 21,90 €; ISBN 978-3-7110-0011-8
„Die Clans der ‘Ndrangheta machen jedes Jahr einen Umsatz von mehr als 44 Milliarden Euro, das sind 2,9 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes.“ (10) Pippo di Bella, ehemaliger Kronzeuge im Prozess gegen die ‘Ndrangheta, führt im Gespräch mit den Autoren den großen Einfluss der kalabrischen Mafia auf Politik und Gesellschaft auf ihre enorme wirtschaftliche Macht zurück. Der wirtschaftliche Aufstieg habe mit Entführungen und Lösegeld-Erpressungen begonnen – nach Angaben der Autoren können 200 der in Italien von 1970 bis 1991 verübten Entführungen der ‘Ndrangheta zugeschrieben werden. 30 Opfer sind seitdem verschwunden. Nach Aussagen di Bellas sollten mit den Entführungen vor allem Politiker und hohe Regierungsbeamte unter Druck gesetzt werden – beschrieben werden Entführungen, die wie im Falle von Christina Mazzotti tödlich, im Falle eines Munitionsfabrikanten zwar mit Freilassung, aber lebenslanger Verpflichtung gegenüber der Mafia endeten. Besonders schockierend sind di Bellas Enthüllungen über den Mordfall Versace. Versace hatte sich nach Angaben di Bellas durch Geldgeschäfte von dem Mafia-Boss Paolo De Stefano erpressbar gemacht. Über seine Boutiquen sollen Gelder in Millionenhöhe gewaschen worden sein. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass der Versace-Clan diese Verdächtigungen bestreitet und die Aussage di Bellas bislang nicht gerichtlich untermauert werden konnte. In der Gegenwart verdient die kalabrische Mafia ihr Geld ohnehin nicht mehr durch Entführungen, sondern mit dem Kokainhandel. Deutschland sei ein wichtiger Umschlagplatz für die in Südamerika hergestellte Droge, dem Hamburger Hafen kommt nach Aussagen di Bellas hierbei eine zentrale Rolle zu. Darüber hinaus handele die ‘Ndrangheta mit Waffen und etabliere sich auf dem Markt für erneuerbare Energien. Die Autoren kritisieren, dass die ‘Ndrangheta die instabile Situation in Somalia zur Lagerung giftiger Abfälle nutze und selbst vor der kalabrischen Küste Giftmüll versenke.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.612.232.263 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Gianluigi Nuzzi / Claudio Antonelli: Metastasen. Salzburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14888-metastasen_41287, veröffentlicht am 15.12.2011. Buch-Nr.: 41287 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA