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/ 05.06.2013
Wilhelm Keitel

Mein Leben. Pflichterfüllung bis zum Untergang. Hitlers Generalfeldmarschall und Chef des Oberkommandos der Wehrmacht in Selbstzeugnissen. Hrsg. von Werner Maser

Berlin: edition q 1998; 445 S.; hardc., 48,- DM; ISBN 3-86124-353-9
Keitel gehörte vom Rang und Dienstposten zweifellos zur militärischen Elite der deutschen Wehrmacht bis 1945. Tatsächlich hielten ihn seine Zeitgenossen, die ihn beharrlich in Anspielung an einen Lakaien "La Keitel" nannten, für einen honorigen Mann, der allerdings Hitler vollständig ergeben war, kaum zu einem eigenen Urteil fähig schien. Das Bild des unpolitischen Soldaten, des bloßen Befehlsempfängers ändert sich auch nicht in seinen Erinnerungen, die der ehemalige Chef des OKW während seiner Haft in Nürnberg bis kurz vor seiner Hinrichtung niederschrieb. Daß er während des Prozesses einsah, wie sehr er und seine Ideale mißbraucht worden waren, streicht nur noch deutlicher heraus, daß der Grund seines steilen Aufstiegs in der militärischen Hierarchie keineswegs sein eher mittelmäßiges fachliches Können war, sondern gerade seine kompromißlos naive Befehlsempfängerhaltung. Hochgekommen durch die Zeitumstände nach der Fritsch-Krise wurde er schnell zu dem für Hitler unentbehrlichen Erfüllungsgehilfen, der militärisch korrekt und widerspruchslos exekutierte, was der Diktator ihm auftrug. Und schließlich ist es eine Ironie der Geschichte, aber doch irgendwie konsequent, daß Keitel, der seine Unterschrift pflichtschuldig unter den Kommissarbefehl setzte, auch 1945 die Kapitulationsurkunde unterzeichnete.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Wilhelm Keitel: Mein Leben. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6489-mein-leben_8803, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8803 Rezension drucken
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