Skip to main content
/ 21.06.2013
Michael Ronellenfitsch

Louis L' Amour und das Völkerrecht (Public International Law)

Berlin: Duncker & Humblot 2008 (Tübinger Schriften zum internationalen und europäischen Recht 89); XVI, 389 S.; 48,- €; ISBN 978-3-428-13005-4
Der These, die USA hätten in den letzten Jahren eine Krise des Völkerrechts ausgelöst, hält Ronellenfitsch entgegen, dass in Europa zu sehr dem Völkerrecht vertraut wird. Generell gelte, dass der Zugang zum Völkerrecht vom eigenen Rechtsverständnis her erfolge und nur davon das fremde Rechtsverständnis begriffen werden kann, um nach einer gemeinsamen Werteordnung zu suchen. Wo diese nicht gegeben ist, stellt sich die Machtfrage, weshalb für den Verfasser feststeht, dass das Völkerrecht stets nur das Ergebnis der normativen Kraft des Faktischen sein kann. Aus der außenstaatsrechtlichen Perspektive muss die Vorstellung einer transnationalen Global Justice als „totalitäre Tendenz“ (298, Carl Schmitt) erscheinen. Um diese Argumentation an der obigen These zu erproben, muss zur Würdigung der Außenpolitik der USA deren Mentalität in den Mittelpunkt rücken. Hierzu greift Ronellenfitsch auf den Westernautor Louis L'Amour zurück und kontrastiert die Frontier-Mentalität mit dem europäischen Rechtsverständnis. Diese Methode veranschaulicht, dass der Verfasser weniger an juristischer „Prinzipienreiterei“ (279), denn an der Rechtfertigung der amerikanischen Kultur interessiert ist, die er erst der europäischen gegenüberstellt, jedoch im Zuge der Argumentation zu einer homogenen Kultur des Westens formt, die sich im Kampf der Kulturen behaupten soll. Deshalb treten die im Einzelfall problematischen Auslegungen von konkreten Völkerrechtsfragen vor der Verteidigung der gesamten Werteordnung gegenüber dem islamischen Terror zurück. Dieser Schluss ist nur einsichtig, wenn nicht nur der universelle Geltungsanspruch des Völkerrechts in Frage gestellt werden kann, sondern zudem Kultur etwas Naturwüchsiges meint. Neben der Fragwürdigkeit des Dualismus von zivilisierten und barbarischen Staaten und dem ungeklärten Verhältnis von „westlicher Kultur“ und Nationalstaat, deren Homogenität der Autor normativ behauptet, stellt sich dem juristischen Laien die Frage, ob aus der Perspektive des Verfassers ein Staat der transatlantischen Gemeinschaft überhaupt völkerrechtswidrig handeln kann.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 4.14.222.642.23 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Michael Ronellenfitsch: Louis L' Amour und das Völkerrecht (Public International Law) Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30425-louis-l-amour-und-das-voelkerrecht-public-international-law_36118, veröffentlicht am 05.05.2009. Buch-Nr.: 36118 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA