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/ 05.06.2013
Horst Seferens

"Leute von übermorgen und von vorgestern" Ernst Jüngers Ikonographie der Gegenaufklärung und die deutsche Rechte nach 1945

Bodenheim: Philo Verlagsgesellschaft 1998; 398 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-8257-0110-7
Der Autor geht vom Postulat eines ideologischen Kerns des literarischen Werkes Jüngers und zwar bis in dessen jüngste Arbeiten hinein aus. Der ideologische Gehalt werde in und hinter der literarischen Form verschleiert, und Seferens' Studie unternimmt in ideologiekritischer Absicht die Entschlüsselung jenes Gehaltes: "Die Uneigentlichkeit der poetischen Rede dient Jünger als exklusives Medium für eine politisch-strategische Theoriebildung und als breitenwirksames Instrument, mit dessen Hilfe der Autor auf das (Unter-)Bewußtsein des Lesers einzuwirken versucht. Dabei geht es einerseits darum, politisch relevante Grundannahmen über den Ort des Menschen in der Welt durch suggestive Bilder ästhetisch zu vermitteln, und andererseits einen hermetischen Reflexionsraum für interne ideologische Diskurse zu schaffen. Vor diesem Hintergrund ist die ästhetische Signatur der Texte, die auf den Bedeutungsüberschuß poetischer Rede setzen und eine explizite politische Programmatik vermeiden, ein integraler Bestandteil ihrer Wirkungsabsicht, die damit sowohl ästhetisch wie auch politisch bestimmt ist, so daß die spezifische Literarizität von Jüngers Schreibweise und ihre politische Intention eine unverbrüchliche Einheit bilden." (10) Die Dekodierung von Jüngers politischer Botschaft verknüpft Seferens mit einer Klärung des Verhältnisses zwischen der Neuen Rechten und der Person wie dem Denken Jüngers. Aus dem Inhalt: I. Exposition: Die Kunst der Andeutung - Die Entfaltung eines impliziten Diskurses in Jüngers Erzählung Aladins Problem: 1. Altbekanntes, altmeisterlich erzählt; 2. Der zeitgeschichtlich-politische Diskurs in Aladins Problem; 2.1 Genealogie der Gegenaufklärung; 2.2 Gegen-Geschichtsschreibung: Revisionistische Interpretation des Nationalsozialismus; 2.3 Rehabilitation einer 'nicht-nationalsozialistischen Rechten'; 2.4 Demokratische Öffentlichkeit und die Rolle der Intellektuellen. III. Von Weimar nach Bonn - Diagnostische und strategische Metamorphosen 1950-1960: 1. Ernst Jüngers 'Vergangenheitsbewältigung'; 2. Exkurs: Die Früchte der Friedensschrift - Ernst Noltes Revisionismus; 3. Nihilismus als Epochenphänomen; 4. Negative Integration: Der Waldgang; 5. Ausblick: Der Anarch im Parteienstaat; 6. Das Weltstaat-Postulat - Plädoyer für die Modernisierung des Rechtsextremismus.
Michael Henkel (MH)
Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.462.322.352.3312.3 Empfohlene Zitierweise: Michael Henkel, Rezension zu: Horst Seferens: "Leute von übermorgen und von vorgestern" Bodenheim: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7167-leute-von-uebermorgen-und-von-vorgestern_9584, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9584 Rezension drucken
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