/ 22.06.2013
Markus Frenzel
Leichen im Keller. Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2011; 434 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-423-24876-1Der Fernseh-Reporter Markus Frenzel klagt an, dass Kriegsverbrecher, Massenmörder und Folterer von Deutschland aus unbehelligt agieren könnten – von der Bundeswehr militärisch ausgebildet und von den Ministerien finanziell unterstützt. Frenzel analysiert die Hintergründe dieses Skandals. Bei seinen Recherchen sprach er mit Staatsanwälten, Richtern, Politikern, Rebellen, Vergewaltigungsopfern und Kindersoldaten. Er reiste in Konfliktzonen, sammelte Material der Vereinten Nationen und internationaler Strafgerichtshöfe, sichtete Prozessakten und diplomatische Geheimdossiers. So fand er heraus, dass zum Beispiel Ignace Murwanashyaka, Präsident der Hutu-Partei FDLR, Drahtzieher des Kongo-Krieges und von Interpol gesuchter Kriegsverbrecher, unbekümmert mit seinem Fahrrad durch Mannheim radeln konnte, Interviews für das Afrika-Programm der BBC gab und mit namhaften Politikern korrespondierte. Frenzel deckte im ARD-Magazin FAKT auf, wie Murwanashyaka seine Milizen von Deutschland aus lenkte. Inzwischen ist der Rebellenchef verhaftet. Leider sei Murwanashyaka kein Einzelfall, so Frenzel. Zu nennen sei etwa der usbekische Sicherheitschef Almatov, der in Hannover in einem Luxuskrankenhaus behandelt wurde. Zuvor hatte er seine Scharfschützen auf friedliche Demonstranten schießen und in Andischan ein Massaker anrichten lassen, das ihm den Namen des „Schlächters von Taschkent“ (17) einbrachte. Der Autor kritisiert, dass usbekischen Militärs die Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr offenstehen. Auch Moussa Dadis Camara, der am 23. Dezember 2008 in Guinea-Conakry gewaltsam die Macht ergriff, ist ein in Deutschland ausgebildeter Elitesoldat. Seine Kameraden aus der Zeit bei der Bundeswehr in Bremen bildeten laut Frenzel den Kern seiner Militärjunta. Diese richtete am 28. September 2009 in Conakry unter gegen den Militärputsch und für die Demokratie protestierenden Menschen ein Massaker an, bei dem nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 157 Menschen auf grausamste Weise ums Leben kamen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.21 | 4.42 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Markus Frenzel: Leichen im Keller. München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33927-leichen-im-keller_40658, veröffentlicht am 30.06.2011.
Buch-Nr.: 40658
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