/ 21.06.2013
Claas Christophersen
Kritik der transnationalen Gewalt. Souveränität, Menschenrechte und Demokratie im Übergang zur Weltgesellschaft
Bielefeld: transcript 2009 (GlobalStudies); 279 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-8376-1288-2Sozialwiss. Diss. Hamburg; Gutachter: L. Lambrecht. – Welches sind die Beziehungen zwischen Souveränität, Menschenrechten und Demokratie in einer transnationalisierten Weltpolitik? Christophersen untersucht das Verhältnis zwischen staatlicher Souveränität und Menschenrechten anhand des Kosovo-Konfliktes und der Haltung der US-Administration zur Errichtung des internationalen Strafgerichtshofes (ICC). Des Weiteren werden die Begriffe Demokratie, Menschenrechte und Volkssouveränität vor dem Hintergrund demokratietheoretischer Debatten analysiert. Der Autor erkennt enge diskursive Verflechtungen. So hätte sich über das Eingreifen der NATO in den Kosovo-Konflikt ein äußerst kontroverser völkerrechtlicher Diskurs entsponnen. Christophersen stellt fest, dass sich die „Interventionisten“ (247) über die Maxime, sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzumischen, hinwegsetzten, während die „Nicht-Interventionisten“ (247) auf internationale Herrschaftsstrukturen verwiesen, die das Eingreifen der NATO zwar ermöglicht, aber wenig mit dem Schutz der Menschenrechte zu tun hätten. Der Autor vertritt die Auffassung, dass der Bruch der jugoslawischen Selbstbestimmung nicht mit den Menschenrechtsverletzungen im Kosovo gerechtfertigt werden könne. Er schränkt allerdings ein, dass sich die Nicht-Interventionisten auf undemokratische Machtstrukturen beriefen, die den Veto-Mächten im UN-Sicherheitsrat eine Vormachtstellung einräumten. Auch hätten die USA im Sommer 1998 mit Rücksicht auf ihre eigene Souveränität die transnationalen Strafverfolgungskompetenzen des ICC blockiert, während sie sich nur wenige Monate später unter Berufung auf den transnationalen Schutz der Menschenrechte über die staatliche Souveränität Jugoslawiens hinwegsetzten. Damit lässt sich für den Autor anhand der Errichtung des ICC nicht belegen, dass in der Realität des Völkerrechtes ein Primat der Menschenrechte vorherrsche. So sei es vielmehr das Recht des Stärkeren, das den Ausschlag für das politische Verhalten in Fragen der weltpolitischen Transnationalisierung gebe.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.1 | 5.44 | 5.42 | 5.46 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Claas Christophersen: Kritik der transnationalen Gewalt. Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31554-kritik-der-transnationalen-gewalt_37579, veröffentlicht am 06.04.2011.
Buch-Nr.: 37579
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Politikwissenschaftlerin.
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