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/ 22.06.2013
Rainer Forst

Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse. Perspektiven einer kritischen Theorie der Politik

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2011 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1962); 240 S.; 11,- €; ISBN 978-3-518-29562-5
Rainer Forst knüpft mit diesem Band an vorangegangene Monografien wie „Kontexte der Gerechtigkeit” und „Das Recht auf Rechtfertigung” an, wobei die Aufsätze dieser Sammlung fast alle bereits in anderer Form und an anderer Stelle veröffentlicht worden sind. Nach einer prinzipiellen Einführung beleuchtet Forst Einzelaspekte politischer beziehungsweise praktischer Philosophie, dazu zählen Themen wie beispielsweise die Menschenrechte, die Gerechtigkeit oder die Kritik – betrachtet jeweils aus der Perspektive der „Rechtfertigung“. Forst konstatiert gleich zu Beginn, dass es notwendig sei, „sich an die politische Pointe der politischen Philosophie zu erinnern und die philosophische Begründungsfrage als eine praktische Frage zu begreifen bzw. die Idee der Rechtfertigung zu radikalisieren und zugleich zu kontextualisieren” (13). Insofern habe jeder das Recht auf Rechtfertigung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse und – wenn eigene Ansprüche gestellt werden – die Pflicht zur Rechtfertigung. Forst vertritt also eine Variante des Republikanismus, die auf Non-Domination abzielt. Diesem Modell entsprechend liegt beispielsweise auch der normative Grund der Menschenrechte in dem individuellen Recht auf Rechtfertigung. Andererseits wird Rechtfertigung von Forst zum übergeordneten Prinzip erhoben, „das Gerechtigkeit und Frieden verbindet”. Gerechtigkeit müsse reflexiv verstanden werden, das bedeutet, Rechte und Normen können dann universelle Geltung beanspruchen, wenn sie denjenigen gegenüber zu rechtfertigen sind, die „Gefahr laufen, Opfer der Beherrschung zu werden” (115). Umgekehrt werden diejenigen Verhältnisse als ungerecht klassifiziert, die nicht hinreichend gerechtfertigt sind oder sich sogar einer solchen Rechtfertigung (beziehungsweise Widerlegung durch Unrechtfertigbarkeit) widersetzen. Insgesamt legt Forst ein überaus lesenswertes Buch vor, in dem Beiträge zu einer großen Vielfalt an Debatten in der praktischen Philosophie unter dem Gesichtspunkt der Rechtfertigung und unter Berücksichtigung einer breiten Literaturauswahl zusammengestellt sind.
Daniel Kuchler (DK)
M.A., Politikwissenschaftler (Historiker, Linguist/Literaturwissenschaftler), Promovierender, Department of Political Science, Rockefeller College, State University of New York at Albany.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Daniel Kuchler, Rezension zu: Rainer Forst: Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse. Frankfurt a. M.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32511-kritik-der-rechtfertigungsverhaeltnisse_38799, veröffentlicht am 15.12.2011. Buch-Nr.: 38799 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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