/ 22.06.2013
Meike Vollmar
König, Bürgermeister, Bundeskanzler? Politisches Wissen von Grundschülern und die Relevanz familiärer und schulischer Ressourcen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012; 297 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-18376-3Politikwiss. Diss. Mannheim; Begutachtung: J. van Deth. – Politisches Wissen ist demokratietheoretisch eine wichtige Voraussetzung für eine sinnvolle Partizipation am gesellschaftlichen und politischen Leben. Empirische Befunde skizzieren oft ein kritisches Bild über die tatsächlichen Wissensstände der Bevölkerung. Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei meist Erwachsene oder Jugendliche. Untersuchungen zum politischen Wissen bei Kindern sind hingegen die Ausnahme. Diese Forschungslücke greift die Autorin auf und widmet sich der Erfassung und Entwicklung politischer Wissensstände von Kindern vor Eintritt in die Grundschule und am Ende ihres ersten Schuljahres. Für die quantitativ-empirische Untersuchung nutzt Vollmar dabei die Vorteile der Paneldaten des Projektes „Demokratie leben lernen“, bei der mehr als 700 Kinder an 17 Grundschulen in Mannheim sowie Lehrer und Eltern mit einem standardisierten Fragebogen befragt wurden. Dadurch ist es möglich, die Einflüsse der beiden wichtigsten Sozialisationsagenten – Familie und Schule – in Abgrenzung zueinander zu berücksichtigen. Die empirischen Analysen zeigen, dass Kinder politisch kein unbeschriebenes Blatt sind und dass zwischen Funktionswissen und politischer Perzeption als zwei unterschiedliche Dimensionen politischen Wissens unterschieden werden sollte. Zentrale Ergebnisse sind, dass familiäre ökonomische, kulturelle und soziale Ressourcen sich positiv auf das Funktionswissen der Kinder auswirken, aber nur vereinzelt auf ihre politische Perzeption. Bei den schulischen Ressourcen beeinflusst konsistent die Anzahl an Computern das Funktionswissen der Kinder, vor allem bei Kindern aus Haushalten mit wenig familiärem Einkommen, was die Notwendigkeit einer guten finanziellen Ausstattung der Schulen unterstreicht. Für die Entwicklung politischen Wissens stellt die Autorin fest, dass sich schulische Ressourcen positiv auf Wissensstände im Bereich der politischen Perzeption auswirken, wobei das kulturelle Kapital der Schulen und die Einstellung der Lehrer eine zentrale Rolle einnehmen.
Martin Schultze (MSC)
M. A., Politikwissenschaftler (Sozialwissenschaftler), wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Rubrizierung: 2.35 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Martin Schultze, Rezension zu: Meike Vollmar: König, Bürgermeister, Bundeskanzler? Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34772-koenig-buergermeister-bundeskanzler_41799, veröffentlicht am 12.04.2012.
Buch-Nr.: 41799
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M. A., Politikwissenschaftler (Sozialwissenschaftler), wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
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