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/ 11.06.2013
Christian Streit

Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1997; 448 S.; brosch., 49,80 DM; ISBN 3-8012-5023-7
Die Studie basiert auf der von Werner Conze begutachteten Dissertation des Autors aus dem Jahr 1977. Für diese Neuauflage, inzwischen die vierte, wurde das Literaturverzeichnis erweitert und die Einleitung um eine Erörterung des aktuellen Forschungsstandes ergänzt. Streits Untersuchung gehört zweifellos zu den Standardwerken über den Vernichtungskrieg der Wehrmacht gegen die Sowjetunion und sie hat durch die Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung wieder an Aktualität gewonnen. Streit sieht eine deutliche Verknüpfung zwischen dem Verhalten der Wehrmacht gegenüber den sowjetischen Kriegsgefangenen und der nationalsozialistischen Ausrottungspolitik. Einerseits räumt er mit der Legende von der "passiv-abwehrenden" (13) Wehrmachtsführung auf, die angeblich den Kommissarbefehl hintertreiben wollte; andererseits war gerade die Wehrmacht daran interessiert, ihre Position im NS-Staat zu festigen und daher auch bereit, sich an der Vernichtungspolitik zu beteiligen, um sich gegenüber der SS Himmlers zu behaupten. Nachdem die Illusion des Blitzkriegs gegen die UdSSR zerstört war, veränderte sich das Verhalten gegenüber den sowjetischen Kriegsgefangenen nur wenig. Zwar bemühte sich die Wehrmachtsführung darum, bei der Behandlung der Kriegsgefangenen keine ideologischen Ziele zu verfolgen, stattdessen politisch zu agieren, d. h. die Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter einzusetzen. Aber an dem Massensterben der Kriegsgefangenen hat dies kaum etwas geändert: Sie starben entweder an der bewusst herbeigeführten Mangelversorgung oder an den brutalen Produktionsmethoden in deutschen Rüstungsbetrieben. Inhaltsübersicht: II. Die Bedeutung der nationalsozialistischen Kriegsziele für die Vernichtungspolitik im Krieg gegen die Sowjetunion; III. Die Einbeziehung der Wehrmacht in die nationalsozialistische Ausrottungspolitik: der Komplex der "verbrecherischen Befehle"; IV. Die Planung der Ausbeutung der zu erobernden Gebiete; V. Organisatorische Vorbereitungen für das "Kriegsgefangenenwesen im 'Fall Barbarossa'"; VI. Die "Vernichtung als Weltanschauung"; VII. Das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen 1941/42; VIII. Die Entscheidung für den Arbeitseinsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen im Reichsgebiet; IX. Sowjetische Kriegsgefangene in Kriegsgefangenenlagern der SS; X. Bemühungen um eine völkerrechtskonforme Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen; XI. Der Arbeitseinsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen 1942-45; XII. Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in der Endphase des Krieges; XIII. Die Entscheidungen über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im Zusammenhang nationalsozialistischer Politik.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Christian Streit: Keine Kameraden. Bonn: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11370-keine-kameraden_13476, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13476 Rezension drucken
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