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/ 21.06.2013
Markus Lang

Karl Loewenstein. Transatlantischer Denker der Politik

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2007 (Transatlantische Historische Studien 28); 353 S.; geb., 46,- €; ISBN 978-3-515-08930-2
Diss. phil. TU Chemnitz; Gutachter: A. Söllner. - Der Politikwissenschaftler und Jurist Karl Loewenstein (1891-1973) zählt zu den modernen Klassikern der Verfassungstheorie. In Weimar war er einer der wenigen republikanischen Staatsrechtler. Seine am politischen Realismus von Max Weber orientierte „Verfassungslehre“ war nicht, wie zumeist wahrgenommen, bloß ein Lehrbuch zur vergleichenden Regierungslehre, sondern ein eigenständiger großer Wurf, den Rechtspositivismus von Hans Kelsen zu überwinden, ohne Carl Schmitt in die Arme zu laufen. Obwohl Loewenstein aus der amerikanischen Emigration nicht mehr dauerhaft zurückkehrte, gehörte er zu dem Teil der politikwissenschaftlichen Gründergeneration, die Zeit ihres Lebens für die „normative Verwestlichung“ (13) Deutschlands kämpfte. Umso erstaunlicher ist es, dass bis heute keine Monografie vorliegt. Diese Lücke hat Lang nun mit seiner sorgfältig recherchierten „intellektuellen Biographie“ (17) geschlossen. Dabei wird Loewenstein als ein „transatlantischer Denker“ entfaltet und sein Werk von den frühen England- und Frankreichstudien bis zu den späten, skeptischeren Arbeiten in ideengeschichtlicher Perspektive rekonstruiert. Unter Auswertung zahlreicher Archivalien (insb. Nachlass Loewenstein in Amherst) zeigt Lang, dass die „Internationalisierung [...], die demokratische Wertorientierung und das Eintreten für die kulturelle Verwestlichung [...] nicht erst Resultat der erzwungenen Emigration sind, sondern als Charakteristikum sein gesamtes wissenschaftliches Werk durchziehen“ (18), das in der Verfassungslehre als „Lebensleistung“ kulminiert. Dabei nahm er schon „in den 1920er Jahren politikwissenschaftliche Methoden vorweg, als es Politikwissenschaft als moderne Universitätsdisziplin in Deutschland noch gar nicht gab“ (316). Gleichwohl blieb Loewenstein ein „Außenseiter“ und „Grenzgänger“, zumal er „in keiner einzelnen Wissenschaft ganz zu Hause war“ (318) und sich „zwischen der amerikanischen und der deutschen Wissenschaftslandschaft“ (319) befand. Und nicht zuletzt genau das macht Loewensteins „amerikanisierte Staatswissenschaft“ – und Langs Buch über ihn – so interessant.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.461.1 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Markus Lang: Karl Loewenstein. Stuttgart: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27265-karl-loewenstein_31888, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 31888 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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