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/ 20.06.2013
Ludger Grevelhörster

Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit

Münster: Aschendorff Verlag 2005; 192 S.; pb., 9,80 €; ISBN 3-402-03506-5
Anlässlich der Seligsprechung Clemens August Graf von Galens im Oktober 2005 erschien diese neu verfasste und aktuelle Forschungsergebnisse berücksichtigende Biografie des so genannten „Löwen von Münster“. Der 1878 geborene von Galen war durch den kirchlichen „Kulturkampf“ der Jahrhundertwende geprägt und lehnte schon früh staatliche Übergriffe auf die kirchliche Autonomie energisch ab. Kurz nach der Machtergreifung wurde er zum Bischof von Münster ernannt. Bereits wenig später wandte er sich in Hirtenbiefen und Predigten gegen den Alleinherrschaftsanspruch des nationalsozialistischen Staates. Die geforderte Unterwerfung der Kirchen unter die Rassenideologie kritisierte er als Götzendienst und Abfall vom Glauben an die Allmacht Gottes. Im Jahre 1941 predigte er sogar öffentlich gegen die Euthanasie-Programme der Nationalsozialisten. Nach dem Ende des Krieges wandte er sich gegen die von den Alliierten vertretene Kollektivschuldthese. Er plädierte für eine individuelle Bestrafung der Einzeltäter; die meisten Deutschen seien schuldlose Opfer gewesen, die selbst jahrelang unter dem NS-Regime gelitten hätten. Im Februar 1946 wurde von Galen von Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt, was auch als bewusster symbolischer Akt gegen die Pauschalverurteilung Deutschlands betrachtet wurde.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.32.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Ludger Grevelhörster: Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25197-kardinal-clemens-august-graf-von-galen-in-seiner-zeit_29178, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29178 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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