/ 20.06.2013
Orlando Budelacci
Kants Friedensprogramm. Das politische Denken im Kontext der praktischen Philosophie
Oberhausen: Athena-Verlag 2003 (Diskurs Philosophie 3); 251 S.; brosch., 26,50 €; ISBN 3-89896-137-0Philosoph. Diss. Basel; Gutachterin: A. Pieper. – Budelacci wehrt sich gegen die nicht selten unreflektierte Vereinnahmung, die Kants Friedensschrift in der Gegenwart erfährt. Er dagegen interpretiert sie vor dem Hintergrund der praktischen Philosophie Kants. Indem er dessen politische Philosophie internationaler Beziehungen in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, ist es vielleicht weniger kurios, dass die letzten 60 Seiten des Buches allerdings der „Kriegslehre“ Kants gewidmet sind. Ganz grundlegend versteht der Autor das apriorische Moment in Kants Denken als Teil einer „transzendentalen Orientierungsrichtlinie“ (33), die der Königsberger stets durch die konkrete politische Urteilskraft der Subjekte ergänzt wissen wollte. „Kants teleologische Geschichtsphilosophie des Rechtsfortschritts [dient dann als] Bindeglied zwischen regulativer Idee und objektiver Realität“ (54). Dessen Entwurf politischer Rechte zwischen faktischer nationalstaatlicher Souveränität und idealem Weltbürgerrecht deutet Budelacci im dritten Kapitel als eine „Dialektik von Abgrenzung und Öffnung“ (105). Nach der Kontrastierung von Souveränität und Demokratie bei Kant mit zeitgenössischen Ansätzen und empirischen Problemen im vierten Kapitel schließt das Buch mit dem bereits erwähnten Kapitel zur „Kriegslehre“. Trotz der umfangreichen Auseinandersetzung mit aktueller Forschungsliteratur zum Thema vermeidet der Autor die fast schon übliche Engführung Kants auf die These des „Demokratischen Friedens“. Ganz im Gegenteil erlaubt seine breite und informierte Darstellung überhaupt erst, die Komplexität des zugleich zeitgemäßen wie unzeitgemäßen Klassikers zu verstehen. Demnach stehen weder „Weltbürgerrecht“ noch „ewiger Friede“ für tatsächliche Ordnungsmodelle, sondern allein für unerreichbare und nicht-objektivierbare Horizonte, die jeder internationalen Politik erst zu normativer Orientierung verhelfen.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.33 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Orlando Budelacci: Kants Friedensprogramm. Oberhausen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24179-kants-friedensprogramm_27855, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27855
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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