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/ 05.06.2013
Walter Hornstein

Jugendforschung und Jugendpolitik. Entwicklungen und Strukturen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Weinheim/München: Juventa Verlag 1999 (Materialien zur Historischen Jugendforschung); 432 S.; brosch., 78,- DM; ISBN 3-7799-1129-9
Der Band enthält Aufsätze des emeritierten Professors für Sozialisationsforschung und Sozialpädagogik sowie früheren Leiters des Deutschen Jugendinstituts (München) aus den Jahren 1967 bis 1996. Die einzelnen Abhandlungen sind unverändert abgedruckt, jedoch in einer - in der Einleitung erläuterten - systematischen Struktur angeordnet, der als übergreifende Bezugspunkte die Fragen nach "Jugendproblemen", "Jugendforschung" und "Jugendpolitik" zugrunde liegen. Schon diese Unterscheidung Hornsteins reflektiert die strukturellen Spannungen, denen die Institutionalisierung der biographischen Phase "Jugend" in der modernen Gesellschaft ausgesetzt ist. In dem Maße, wie das industriegesellschaftliche Konzept von Jugend als qualifizierte Vorbereitung auf eine Rollenübernahme innerhalb der Arbeitsgesellschaft brüchig zu werden beginnt, muß sich Jugendpolitik auf alternative Funktionen einstellen - das dürfte ihr jedoch nur durch eine stärkere Öffnung gegenüber der Jugendforschung gelingen. Hornsteins Abhandlungen bilden diesen systematischen Zusammenhang in einer sowohl thematisch wie wissenschaftsbiographisch beeindruckenden Weise ab. Sie behandeln zunächst das Verhältnis von Jugendforschung und Jugendpolitik - einerseits mit Blick auf Möglichkeiten der Politikberatung (Kapitel I), andererseits unter dem Gesichtspunkt der administrativen Verwendung von einschlägigen Forschungsergebnissen (Kapitel II). Daran schließen sich Reflexionen über jugendpolitische Konsequenzen gesellschaftlicher Modernisierung an, die teils die sozialstrukturelle Dimension ("Risikogesellschaft") hervorheben (Kapitel III), teils Folgen politischer Integrationsprozesse der 90er Jahre behandeln (Kapitel IV). Inhalt: I. Grundlagen und Programme der Politikberatung: 1. Die wissenschaftlichen Grundlagen der Jugendhilfe und der Jugendpolitik (1967); 2. Die Wissenschaft im Bundesjugendplan (1970); 3. Strukturbedingte Probleme innovativer Politikberatung in der Jugendpolitik (1975). II. Jugendforschung für die Jugendpolitik: 4. Jugend als Problem (1979); 5. Jugendprobleme, Jugendforschung und politisches Handeln (1982); 6. Sozialwissenschaftliche Jugendforschung und gesellschaftliche Praxis (1982); 7. Jugendpolitik und Jugendforschung im Spiegel der Jugendberichte der Bundesregierung (1994). III. Jugendforschung und Jugendpolitik in der Epoche der Neuen sozialen Bewegungen und in der Risikogesellschaft: 8. Neue soziale Bewegungen und Pädagogik (1984); 9. Sozialwissenschaftliche Gegenwartsdiagnose und Pädagogik (1988); 10. Auf der Suche nach Neuorientierung: Jugendforschung zwischen Ästhetisierung und neuen Formen politischer Thematisierung der Jugend (1989); 11. Jugendtheorie, Jugendforschung, Jugendpolitik (1994). IV. Jugend und Jugendpolitik nach der Wende, im europäischen Einigungsprozeß und angesichts des Transformationsprozesses der Arbeitsgesellschaft: 12. Pädagogische Jugendforschung nach der deutsch-deutschen Einigung (mit W. Schefold) (1993); 13. Konsum total? Chancen und Risiken des EG-Binnenmarktes für die Jugend (1992); 14. Problemlagen des Kindes- und Jugendalters im Prozeß der europäischen Einigung (mit G. Mutz) (1993); 15. Auf dem Weg zu einer europäischen Jugendpolitik? (1993); 16. Jugend Macht Zukunft (1996).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3422.375.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Walter Hornstein: Jugendforschung und Jugendpolitik. Weinheim/München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8115-jugendforschung-und-jugendpolitik_10723, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10723 Rezension drucken
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