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/ 22.06.2013
Thomas Giegerich (Hrsg.)

Internationales Wirtschafts- und Finanzrecht in der Krise

Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Veröffentlichungen des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht an der Universität Kiel 179); 241 S.; 78,- €; ISBN 978-3-428-13679-7
Die übergeordnete Frage des Bandes, ob das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem angemessen funktioniert, wird gleich im ersten Satz der Einleitung verneint. Der Sammelband umfasst neun rechtswissenschaftliche Beiträge. Für Politikwissenschaftler sind dabei nur einige der zum Teil sehr detailreich aufgearbeiteten Spezial/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 von Interesse. Verdienstvoll ist beispielsweise der Beitrag von Ludwig Gramlich über die internationale Finanzordnung. In einer historisch-institutionellen Analyse zeichnet er mit großer Präzision und unter Verweis auf unzählige Originaldokumente sowie die einschlägige Literatur nach, wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkursbeziehungen entstanden sind und welchem Selbstverständnis beide unterliegen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Frage nach Legitimität, Effektivität und Reformmöglichkeiten der beiden Institutionen. Gramlich verweist dabei überzeugend darauf, dass es Internationalem Währungsfonds und Weltbank an einer parlamentarischen Legitimation weithin fehlt, da ein „Großteil der Kompetenzen an die ‚Executive Directors‘“ (101) delegiert wird. Die nach wie vor stark intergouvernementale Prägung beider Organisationen und ihre jeweilige Reformbedürftigkeit – gerade auch in legitimatorischer Hinsicht – lässt Gramlich zu dem Schluss kommen, dass von einer globalen „Finanzarchitektur“ nicht gesprochen werden könne, da „dieser Terminus doch ein Gesamtkonzept“ (130) voraussetze. Interessant ist auch der Beitrag von Michael Hahn, der sich mit der EU als WTO-Mitglied auseinandersetzt und dabei auf interessante Paradoxien hinweist. So sei die EU zwar alleine aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke mit rund einem Drittel des Welthandelsvolumens einer der zentralen Akteure in der WTO, ihr politisches Gewicht entspreche dem allerdings kaum. Die EU müsse sich gemäß Lissabonner Vertrag in ihrer Außenhandelspolitik und Außenpolitik an einen sehr langen „Zielkatalog“ bzw. einem „Ziel-Lastenheft“ (180) orientieren, was nicht selten Zielkonflikte begründe. Für die Beschäftigung mit den rechtlichen Grundlagen der globalen ökonomischen Governance-Institutionen liefert der Band also durchaus wertvolle Hinweise. Er ist aus einer Ringvorlesung des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht an der Universität Kiel aus dem Wintersemester 2009/2010 hervorgegangen.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 4.14.434.33.6 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Thomas Giegerich (Hrsg.): Internationales Wirtschafts- und Finanzrecht in der Krise Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34613-internationales-wirtschafts--und-finanzrecht-in-der-krise_41592, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 41592 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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