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/ 22.06.2013
Peter Fischer / Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel / Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e. V. (Hrsg.)

Inter Finitimos 9 (2011). Jahrbuch zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. Themenschwerpunkt: Fußball

Osnabrück: fibre 2012; 223 S.; 18,- €; ISBN 978-3-938400-79-1
Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ist das Jahrbuch hauptsächlich der fußballerischen Beziehung zwischen Polen und Deutschland gewidmet. Im Ruhrgebiet mit seinen zahlreichen polnischstämmigen Einwanderern ist die Verbindung besonders augenscheinlich. Darauf weist etwa Michael Hamerla in seinem Beitrag über verbindende und trennende Aspekte hin. Der FC Schalke 04 etwa wurde bis zum Beginn der 1930er-Jahre als „Polacken-Club“ (14) beschimpft. Nachdem jedoch eben diese Mannschaft mehrfach die deutsche Meisterschaft gewinnen konnte, verstummten diese Anfeindungen. Der ebenfalls als Polacke beschimpfte Fritz Szepan wurde sogar Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und, wie der Verein insgesamt, von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken instrumentalisiert. In der Gegenwart ist es die Meistermannschaft von Borussia Dortmund, die im entscheidenden Maße von polnischen Leistungsträgern profitiert. Nicht zu vergessen sind die Nationalspieler Lukas Podolski und Miroslav Klose, die auch polnische Wurzeln haben. Hamerla ist zuversichtlich, dass diese Spieler beispielhaft einen positiven Einfluss auf die Integration von verschiedenen Nationalitäten im Alltag haben können, insbesondere bei Jugendlichen. Trennend wird der Charakter des Fußballs im Zusammenhang mit gewalttätigen Hooligans. Michael G. Esch hat sich in seinem Beitrag mit der Verwendung geschichtlicher Ereignisse im Selbstverständnis polnischer Hooligans auseinandergesetzt. Im Wesentlich ist zu beobachten, dass sich die Hooligans als wahre Patrioten empfinden. Sie und der mit ihnen verbundene Verein hätten demnach in der Vereinsgeschichte als Einzige die wahren polnische Werte vertreten, abgegrenzt von der Zeit der kommunistischen Volksrepublik und den Leiden der zahlreichen Teilungen und Trennungen der polnischen Geschichte. Andere Vereine sind in dieser Sichtweise nicht oder kaum würdig, sodass gewalttätige Anfeindungen subjektiv legitimiert werden können.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.232.612.252.212.372.352.3144.22 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Peter Fischer / Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel / Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e. V. (Hrsg.): Inter Finitimos 9 (2011) Osnabrück: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35135-inter-finitimos-9-2011_42296, veröffentlicht am 14.06.2012. Buch-Nr.: 42296 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA