/ 21.06.2013
Maren Borkert
Integration von Zuwanderern in Italien. Gesetzliche Grundlagen, politische Akteure und die Umsetzung integrationspolitischer Maßnahmen am Beispiel der Emilia Romagna
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 306 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-16178-5Diss. Bamberg. – Lange Zeit war das Selbstverständnis der Italiener durch die Erfahrung der Auswanderung geprägt. Erst relativ spät, in den 90er-Jahren, wurde das Thema Zuwanderung von Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft beachtet. Während zeitgenössische Untersuchungen hauptsächlich der qualitativen Erforschung einzelner Aspekte von Zuwanderung und Integration gewidmet sind, diagnostiziert die Autorin, dass die Umsetzung migrationspolitischer Vorgaben sowie allgemein die Themen Politikformulierung und Implementierung nur unzureichend erforscht sind. Diesen Forschungsfeldern widmet sich die Autorin. Sie untersucht die Implementierung des 1998 eingerichteten „Nationalen Fonds für Migrationspolitiken“ (FNPM) in der Emilia-Romagna. Dies geschieht anhand von zwei wichtigen Maßnahmen des FNPM-Programms: der Förderung der Integration von Kindern in die staatlichen Grundschulen sowie anhand von Sprachkursen für erwachsene Zuwanderer. Borkert strebt ausdrücklich keine umfassende Analyse aller relevanten Faktoren auf der Makro- und Mikroebene im Politikformulierungs- und Umsetzungsprozess an, sondern sie will die „von den Implementationsakteuren identifizierten Umsetzungsbarrieren im untersuchten Feld“ (68) erfassen. Die Studie basiert neben der Erhebung und Auswertung statistischer Daten und einer umfassenden Dokumentenanalyse auf qualitativen Interviews mit Landes- und Kommunalpolitikern sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren. Um die herausgearbeiteten Missstände und Realisierungsdefizite der Integrationspolitik näher erklären zu können, hat die Autorin ihre politikwissenschaftliche Implementationsanalyse um eine „soziologische Untersuchung von Akteursorientierungen“ (273) erweitert, die die Lebenssituation der Zugewanderten sowie das Zusammenleben und die gegenseitige Wahrnehmung von autochthoner Bevölkerung und Immigranten zum Gegenstand hat. Neben der Bearbeitung ihres eigentlichen Themas trägt die Autorin mit dem hier entwickelten Ansatz einer „akteursorientierten Implementationsanalyse“ (280) zugleich zur Weiterentwicklung der Implementationsforschung bei.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.21 | 2.263 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Maren Borkert: Integration von Zuwanderern in Italien. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30061-integration-von-zuwanderern-in-italien_35637, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35637
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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