/ 19.06.2013
Robert Kaiser
Innovationspolitik. Staatliche Steuerungskapazitäten beim Aufbau wissensbasierter Industrien im internationalen Vergleich
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Münchner Beiträge zur politischen Systemforschung 1); 288 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-3236-7Politikwiss. Habilitationsschrift München; Gutachter: E. Grande, U. Beck, W. Weidenfeld. – Mit staatlicher Innovationspolitik wird auf die wachsende Bedeutung von Innovationen und technologischer Entwicklung für die Wettbewerbsfähigkeit und damit für die Wohlsstandswahrung reagiert. Kaiser will mit seiner Untersuchung die institutionellen Bedingungen herausarbeiten, die über die Performanz von Innovationen und die technologische Leistungsfähigkeit zwischen den Industrienationen entscheiden und zudem die Steuerungspotenziale staatlicher Innovationspolitik auf unterschiedlichen territorialen Ebenen ermitteln. Basierend auf dem Varieties of Capitalism-Ansatz werden qualitative Fallstudien über die pharmazeutische Biotechnologie Deutschlands, der Schweiz und der USA durchgeführt. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der Analyse institutioneller Merkmale, die als Erfolgs- und Hemmnisfaktoren für Innovationspolitik gelten. Zu diesen Merkmalen gehören u. a. das Regierungssystem, die institutionelle Ausgestaltung des Finanzsystems bezüglich der Finanzierung von technischen Innovationen, die Ausbildungsstrukturen und die relevanten Akteure/Institutionen im Forschungssystem. Im Ergebnis zeigt Kaiser, dass in den drei Staaten unterschiedliche Bedingungen für Kommerzialisierungsprozesse und für die Ausgestaltung der nationalen Innovationssysteme existieren, die sich insgesamt als systemische Divergenzen klassifizieren lassen. Ursachen sind in institutionellen Arrangements wie z. B. in der Ausdifferenzierung der Innovationssysteme oder in der Rolle des Staates bei der Finanzierung und als Koordinator zu sehen. Die parallel existierende sektorale Konvergenz ist weniger auf eine Anpassung an das liberale Marktmodell als vielmehr auf sektorale Besonderheiten zurückzuführen. Abschließend unterscheidet Kaiser zwei Typen von Innovationspolitik: die Laisser-Faire-Version mit dem Setzen von Rahmenbedingungen in der Schweiz und die systemische Version mit einem höheren staatlichen Steuerungsanspruch, die in Deutschland und den USA zu finden ist.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.263 | 2.343 | 2.5 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Robert Kaiser: Innovationspolitik. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21565-innovationspolitik_34452, veröffentlicht am 19.06.2008.
Buch-Nr.: 34452
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
CC-BY-NC-SA