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/ 20.06.2013
Geert Mak

In Europa. Eine Reise durch das 20. Jahrhundert. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke und Gregor Seferens

Berlin: Siedler Verlag 2005; 944 S.; 49,90 €; ISBN 3-88680-826-2
Mak ist in der Niederlanden ein bekannter Journalist. Sein Buch beruht denn auch auf Reisen kreuz und quer durch Europa, die er 1999 im Auftrag einer niederländischen Tageszeitung unternahm. Auf den 944 Seiten wird es dem historisch interessierten Leser nie langweilig. Mak weiß als Erzähler zu fesseln. Mit dem geschulten Blick des Historikers, der er auch ist, vermag er aber ebenso Zusammenhänge herzustellen, Bezüge zu erläutern und fundiert zu urteilen. Das Buch beruht auf dem Gedanken, dass sich Geschichte auch in den Orten äußert, in denen sie stattfand. So ist Mak ein Jahr lang zu den Schauplätzen des 20. Jahrhunderts gereist. Sein Reisebericht ist chronologisch geordnet. An allen Orten hat Mak mit Zeitzeugen gesprochen, mit Politikern und Dissidenten, Hausfrauen und einfachen Kneipenbesuchern. Auf diese Weise werden die Vielfalt des Kontinents und seiner historischen Erfahrungen deutlich: ein Europa, verbunden durch die gemeinsame Vergangenheit, aber auch durch sie getrennt. Die krassesten Unterschiede gibt es nach wie vor zu den osteuropäischen Staaten, die ihren Entwicklungsrückstand auch im neuen Europa so schnell nicht aufholen werden. Aber auch innerhalb Westeuropas sieht Mak enorme Unterschiede im Verständnis der Menschen von politischen, historischen, wirtschaftlichen oder sozialen Entwicklungen. Mak glaubt nicht, dass es so etwas wie ein europäisches Wesen gibt. Er erzählt Hunderte kleiner Geschichten, ohne dass dabei die eine große Erzählung von Europa entstünde. Es gibt sie einfach nicht. Trotzdem hält Mak das große europäische Projekt der Einigung keineswegs für unmöglich. Der Prozess werde aber Generationen dauern und vorerst noch davon geprägt, dass „die Vorstellung der verschiedenen Europäer von Europa eine Projektion ihres Bildes von der jeweils eigenen Gesellschaft [sei] – meistens, ohne dass sie sich dessen bewusst wären“ (897). Europa sei aber zum Scheitern verurteilt, wenn nicht rasch „ein gemeinsamer kultureller, politischer und vor allem demokratischer Raum entsteht.“ (905)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.612.312.14.1 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Geert Mak: In Europa. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24669-in-europa_28496, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28496 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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