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/ 21.06.2013
Umberto Eco

Im Krebsgang voran. Heiße Kriege und medialer Populismus. Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2007; 319 S.; geb., 23,50 €; ISBN 978-3-446-20837-7
Eco hat in dem Band eine Vielzahl von Zeitungsbeiträgen, Essays und Reden aus den Jahren 2000 bis 2005 gebündelt. Er empfindet diesen Zeitraum als eine Phase vielfältigen Rückschritts, den undemokratische, fundamentalistische und antisemitische Kräfte betreiben: „Es scheint fast, als ob die Geschichte, ermüdet von den Sprüngen, die sie in den letzten zwei Jahrtausenden gemacht hat, sich in sich selbst zurückspult, um zu den bequemen Ruhmesfeiern der Tradition zurückzukehren“ (13). Daneben gibt es für Eco aber auch neues Unheil, vor allem in Form der Regentschaft des Silvio Berlusconi, der Italien in sein eigenes medial-politisches Fürstentum verwandeln wollte. Eco setzt sich zudem kritisch mit dem Golf- und dem Kosovokrieg auseinander, mit der Islamismus-Diskussion und dem Wideraufkeimen christlicher Fundamentalismen. Eco vermittelt durchweg kluge Gedanken. Allerdings wurde zu allen Themen des Bandes bereits sehr viel anderes Kluges geschrieben, und einige Themen scheinen inzwischen wieder an Bedeutung verloren zu haben. So wirkt das Buch stellenweise, als käme es mindestens drei Jahre zu spät. Trotzdem: Wer die Meinung dieses europäischen Fein-Denkers nicht nur aus gelegentlichen Übersetzungen in deutschen Tageszeitungen lesen will und des Italienischen nicht mächtig ist, erhält mit diesem Werk viel intelligenten Lesestoff.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.14.14.412.612.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Umberto Eco: Im Krebsgang voran. München/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27460-im-krebsgang-voran_32175, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32175 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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