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/ 11.06.2013
Renata Schmidtkunz

Im Gespräch. Uri Averny

Wien: Mandelbaum Verlag 2009; 60 S.; geb., 15,- €; ISBN 978-3-85476-303-1
Mitten im Krieg im Sommer des Jahres 1982 traf sich Uri Averny als erster Israeli mit dem PLO-Führer Jassir Arafat. 1993 war er Mitbegründer der Friedensinitiative Gush Shalom, die heute immer noch zu den wichtigsten Friedensgruppen Israels gehört. Neben dem Frieden mit den palästinensischen Nachbarn setzte sich Averny aktiv für ein demokratisch laizistisches Israel ein. So kämpfte er gemeinsam mit der Frauenrechtlerin Shulamit Aloni jahrelang für die Trennung von Staat und Religion. Dieses politische Ziel hat er bis heute nicht erreicht, dafür aber klagte er vor dem Obersten Gerichtshof erfolgreich gegen die Eintragung „jüdisch“ im israelischen Pass, die nun durch das Wort „israelisch“ ersetzt ist. Darüber hinaus gründete er die linke Wochenzeitung HaOlam, deren Redaktionsräume bereits mehrfach verwüstet wurden. Auch Averny selbst wurde aufgrund seiner politischen Haltung immer wieder zum Ziel von Attentaten, von denen das letzte nur wenige Jahre zurückliegt. Aus Anlass seines 85. Geburtstags am 10. September 2008 veröffentlichte der Österreichische Rundfunk in seiner Reihe „Im Gespräch“ ein in den Studios des israelischen Radiosenders Kol Israel aufgezeichnetes Interview mit dem Friedensaktivisten. Averny berichtet von seinen Erfahrungen als Mitglied einer paramilitärischen Untergrundorganisation, seinem Einsatz als Soldat im israelischen Unabhängigkeitskrieg des Jahres 1948, seiner Zeit als Abgeordneter der Knesset, seiner Tätigkeit als investigativer Journalist und nicht zuletzt von seiner mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichneten Arbeit für den Frieden. Dabei zweifelt er nicht an der zukünftigen Existenz des Staates Israel, sondern sorgt sich eher um dessen moralische Grundlagen. Averny plädiert für die Gründung eines palästinensischen Nationalstaates, denn erst dann erhalte Israel ein souveränes Gegenüber, mit dem sich der Frieden erfolgreich aushandeln lasse.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.12.232.634.41 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Renata Schmidtkunz: Im Gespräch. Uri Averny Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9626-im-gespraech-uri-averny_36514, veröffentlicht am 02.06.2010. Buch-Nr.: 36514 Rezension drucken
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