Skip to main content
/ 22.06.2013
Mathias Schütz

Ideologien der Vernichtung. Nationalsozialismus und radikaler Islam

Bonn: Bouvier Verlag 2011 (Forum Junge Politikwissenschaft 28); 216 S.; 22,- €; ISBN 978-3-416-03331-2
Magisterarbeit Bonn; Betreuung: T. Meyer. – Während NS‑Vergleiche in der Öffentlichkeit zumeist wenig intelligente Akte der Provokation darstellen, wird in der Wissenschaft spätestens seit 9/11 über Parallelen zwischen Nationalsozialismus und radikalem Islam diskutiert. Dass die These eines neuen, dritten Totalitarismus von Islamhassern missbraucht wird, sollte die seriöse Debatte darüber nicht beeindrucken. Zu ebendieser leistet Mathias Schütz einen Beitrag. In Auseinandersetzung mit der Literatur legt er dar, warum der Vergleich möglich und sinnvoll ist. Daran knüpfen Abschnitte zur NS‑Ideologie, zur geschichtlichen Begegnung von Nationalsozialismus und radikalem Islam sowie dessen Analyse an. Der Nationalsozialismus ist in umfassender Form erforscht worden – deshalb legt Schütz den Schwerpunkt seiner Arbeit auf den radikalen Islam. Die historischen Überschneidungen von radikalem Islam und Nationalsozialismus seien zwar kein Zufall gewesen, in ihrer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Ideologien aber als eher gering einzustufen. Beide besäßen eigene Dynamiken, die sie als Ideologien der Vernichtung kennzeichneten – der Holocaust dient Schütz auch als Referenzpunkt für die Analyse des radikalen Islams. Damit lässt er wenig Zweifel an der Gefährlichkeit islamistischer Strömungen. Schütz berücksichtigt sowohl die Muslimbrüder und Al Kaida als auch das iranische Streben nach der Atombombe. Seine zentrale These lautet: Nationalsozialismus und radikaler Islam seien aus höchst unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten entstanden; trotzdem resultiere aus ihnen die gleiche Form politischer Praxis – eben die der Vernichtung. Diese These begründet Schütz plausibel. So wichtig es ist, dieser auf Vernichtung angelegten Dynamik mehr Beachtung zu schenken, so muss gleichwohl auch beachtet werden, dass radikale Ideologien nicht zwangsläufig diese Entwicklung nehmen. So gab und gibt es auch im Islamismus Dynamiken, die dazu führten, dass sich eine Bewegung von ihren radikalen Positionen entfernte.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.252.3122.235.43 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Mathias Schütz: Ideologien der Vernichtung. Bonn: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33581-ideologien-der-vernichtung_40191, veröffentlicht am 16.05.2013. Buch-Nr.: 40191 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA