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/ 04.06.2013
Hartmut Rosa

Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor. Mit einem Vorwort von Axel Honneth

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1998; 592 S.; kart., 58,- DM; ISBN 3-593-35996-0
Diss. HU Berlin; Gutachter: H. Münkler, A. Honneth. - Diese wichtige und provokante Arbeit will zweierlei: zum einen gibt sie im ersten Teil eine Analyse von Taylors politischem Denken in seinen Voraussetzungen und Zielsetzungen. Zum anderen wendet sie in den beiden folgenden Teilen dieses Denken an, um über Taylor hinausgehend und durchaus auch im Widerspruch zu dessen Intentionen (548) eine Analyse der Moderne zu versuchen, die zwischen relativistischem Poststrukturalismus (Foucault) und universalistischen Überresten der Frankfurter Schule (Habermas) einen dritten Weg zu finden. Rosa stellt die These auf, daß nur die Kombination von starken ethischen Werten mit dem Anerkenntnis einer unhintergehbaren Pluralität ein Bild ergeben kann, das geeignet ist einen Ausweg aus dem Unbehagen mit unserer Zeit zu ermöglichen. Dazu grenzt er sich von der liberalen theoretischen Furcht vor Werten ab, die gleichwohl vorhandene Werte nur unsichtbar mache. Er grenzt sich aber nicht minder von einem engen Begriff des Kommunitarismus ab, der zum Abschluß und Ausschluß einer Gesellschaft führen kann. Statt dessen propagiert er einen breiten, einschließenden pluralistischen Wertediskurs, der dem Politischen breite Eingriffsmöglichkeiten in Bereiche eröffnen soll, die ihm unter liberaler Flagge verschlossen blieben. Dies entwickelt Rosa in steter Anlehnung an Taylors Schriften, die aber in den entscheidenden Passagen nur als Anstoß für eigenes Weiterdenken dienen. Inhaltsübersicht: I. Identität und kulturelle Praxis: Ein sozialphilosophischer Entwurf: 2. Die Grundlagen einer philosophischen Anthropologie; 3. Individuelle Selbstbestimmung und kollektive Lebensform; 4. Soziale Kritik - Grundlagen und Aufgaben von Politikwissenschaft und Sozialphilosophie. II. Das ungelöste Problem der Moderne: 5. Diagnosen der Moderne; 6. Charles Taylors Analyse der Verfaßtheit der Moderne; 7. Gelingendes Leben unter den Bedingungen der Moderne. III. Politische Theorie und Moralphilosophie: Eine kommunitaristische Agenda: 8. Politische Konsequenzen; 9. Das Gute und die Güter: Eine relativistische Theorie der dimensionalen Kommensurabilität von Lebensformen; Schlußbetrachtung: 'Starke' politische Theorie und kulturrelativistische Sozialphilosophie.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.465.25.43 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Hartmut Rosa: Identität und kulturelle Praxis. Frankfurt a. M./New York: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5356-identitaet-und-kulturelle-praxis_7026, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7026 Rezension drucken
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