/ 11.06.2013
Bernd Braun
Hermann Molkenbuhr (1851-1927) Eine politische Biographie
Düsseldorf: Droste Verlag 1999 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 118); 418 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-7700-5220-XGeschichtswiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: E. Wolgast. - Gegenstand dieser politischen Biographie ist ein Mann, der wie so viele Demokraten und politische Praktiker heute fast völlig vergessen ist - als ob die deutsche Geschichte so reich an engagierten Demokraten wäre, daß man sich dieses Vergessen ohne weiteres leisten könnte. Molkenbuhr war nicht spektakulär; er war nie Parteivorsitzender, aber über Jahrzehnte ein wichtiges Mitglied der Parteiführung der SPD; er war nie ein brillanter Theoretiker, sondern immer der auf vernünftigen Ausgleich bedachte Praktiker; er wurde nicht von den Feinden der Republik umgebracht, sondern starb friedlich und geehrt im Bett. Und doch hat er, nach einer bewegten Biographie als Sozialdemokrat der ersten Stunde, viel für die Gestaltung sozialdemokratischer Politik in Kaiserreich, Krieg und am Anfang der Weimarer Republik getan. Der Autor, Mitarbeiter der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, hat mit seiner vor allem aus den Quellen erarbeiteten Biographie einen wichtigen Beitrag geleistet, der wegen der zentralen Beteiligung Molkenbuhrs an allen wesentlichen politischen Entscheidungen der Zeit auf dem Wege der biographischen Erschließung auch wesentliche Aufschlüsse für entsprechende größere Zusammenhänge liefert. Erfrischend ist auch, daß Braun bei aller Eingenommenheit für seinen Gegenstand ihn nicht nachträglich zu einem Giganten stilisiert. In der menschlichen Beschränkung wird vielmehr die eigentliche Bedeutung Molkenbuhrs erst sichtbar.
Aus dem Inhalt: I. Auf dem Weg in die Sozialdemokratie 1851-1872: 1. Persönliche Erfahrung existentieller Not und sozialer Diskriminierung; 2. Sozialisation in Hamburg; 3. Beruf des Zigarrenmachers; 4. Bildung aus eigener Kraft; 5. Prägung durch die Schriften Ferdinand Lassalles. II. Aufstieg in der Sozialdemokratie 1872-1890: 1. Der Agitator; 2. Der Funktionär; 3. Der "Märtyrer" unter dem Sozialistengesetz; 4. Der Reichstagskandidat. III. Aufstieg in der SPD-Reichstagsfraktion 1890-1904: 1. Der Parlamentarier; 2. Der Sozialpolitiker; 3. Der Journalist; 4. Der unentbehrliche Reichstagsabgeordnete. IV. Auf dem Höhepunkt: Im SPD-Parteivorstand 1904-1918: 1. Der Parteisekretär; 2. Der Vermittler in kontroversen Grundsatzfragen; 3. Der verhinderte Parteivorsitzende: Die Marokkokrise 1911; 4. Der Verteidiger der Parteieinheit im Ersten Weltkrieg. V. Abschied von der Politik 1918-1927: 1. Der kritische Begleiter der Revolution; 2. Das "Relikt aus grauer Vorzeit".
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Bernd Braun: Hermann Molkenbuhr (1851-1927) Düsseldorf: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10021-hermann-molkenbuhr-1851-1927_11853, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11853
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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