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/ 21.06.2013
Emmanuel Faye

Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie. Im Umkreis der unveröffentlichten Seminare zwischen 1933 und 1935. Aus dem Französischen von Tim Trzaskalik

Berlin: Matthes & Seitz 2009; 557 S.; geb., 39,90 €; ISBN 978-3-88221-025-5
„Es geht nicht mehr darum zu verstehen, wie eine Philosophie nationalsozialistisch werden konnte, sondern wie es Heidegger, verdeckt durch eine Sprache, die sich den Anschein des Philosophischen gegeben hat, gelingen konnte, die Grundlagen des Rassismus und des Nationalsozialismus in die Philosophie einzuführen.“ (444) Der Pariser Professor für Philosophie Faye führt diesen Nachweis, in dessen Konsequenz er Heidegger den Status eines Philosophen abspricht, ausgehend von den bisher unveröffentlichten Seminaren, die Heidegger zwischen 1933 und 1935 wöchentlich an der Universität Freiburg hielt. Die „Texte sind regelrechte Lehrstunden politischer Erziehung im Dienst des Nationalsozialismus“ (12) – eine Feststellung, die vor dem Hintergrund der bekannten Antrittsrede Heideggers als Rektor jener Universität keine Überraschung ist, dennoch aber gerade in Frankreich, wo sich viele Philosophen an Heidegger orientierten und es immer noch tun, nach dem Erscheinen dieser insgesamt äußerst überzeugenden Studie für heftige Debatten gesorgt hat. Dabei bestehe seine ganze Arbeit darin, schreibt Faye, „die philosophische Analyse mit der historischen Verortung zu verbinden“ (457). Ein Großteil der Schriften Heideggers war jahrzehntelang vor Öffentlichkeit und Forschung verborgen. Aus der „sogenannten Gesamtausgabe“ (16) und Mitschriften der unveröffentlichten Seminare gewinnt Faye nun aber ein ideologisch vollständiges Bild des Nationalsozialisten Heidegger, der vor 1933 nur in wenigen Briefen und auf privater Ebene Farbe bekannt hatte. Nach 1933 aber sah sich Heidegger nach Fayes Erkenntnis nun selbst berufen, den neuen Geist inklusive Führerprinzip an der deutschen Universität einzuführen. Der antisemitische Heidegger propagierte offen die „Zerstörung des Individuums und des menschlichen Ichs und deren Ersetzung durch die Schicksalsgemeinschaft des Volkes“. Dies sei weder in der Intention noch in der Vorgehensweise ein rein philosophisches Unterfangen gewesen, so Faye, sondern „ein ‚politisches’ Projekt“ (35): Diese „auf die Vernichtung abzielende Lehre“ hat „die Verbrechen vorbereitet“ (459).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.462.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Emmanuel Faye: Heidegger. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28774-heidegger_33948, veröffentlicht am 05.08.2009. Buch-Nr.: 33948 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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