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/ 19.06.2013
Dagmar Ellerbrock

"Healing Democracy" - Demokratie als Heilmittel. Gesundheit, Krankheit und Politik in der amerikanischen Besatzungszone 1945-1949

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2004 (Veröffentlichungen des Instituts für Sozialgeschichte e. V.); 503 S.; hardc., 36,- €; ISBN 3-8012-4139-4
Am Beispiel der Gesundheitspolitik demonstriert die kommunikationstheoretisch inspirierte Studie, wie problematisch eine Perspektive ist, die in den Nachkriegsjahren ausschließlich eine Restauration beziehungsweise eine von außen verordnete Überformung sieht. Ellerbrock kann am empirischen Material zeigen, dass Amerikanisierung weniger einen Institutionstransfer meinte, sondern primär als Verschiebung kultureller Referenzmuster begriffen werden muss. Diese, den prozessualen Charakter der Interaktion hervorhebende Sichtweise wird für das behandelte Politikfeld überzeugend vorgetragen. Die Autorin veranschaulicht nicht nur, wie die alliierten gesundheitspolitischen Praktiken zur Demokratisierung auch unpolitischer Bevölkerungsschichten beitragen sollten. Weit interessanter ist, wie die deutsche Gesundheitspolitik zunehmend von den amerikanischen Vorgaben abwich. Weil aber die Besatzungsmacht dieses Oszillieren zwischen Adaption und Ablehnung der institutionellen Vorgaben tolerierte, half sie mit, eine noch fragile demokratische politische Kultur zu etablieren, zu deren Grundfesten die kritische Auseinandersetzung gehört.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.3132.3122.342 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Dagmar Ellerbrock: "Healing Democracy" - Demokratie als Heilmittel. Bonn: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21170-healing-democracy---demokratie-als-heilmittel_24699, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24699 Rezension drucken
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