/ 21.06.2013
Lili Zhang
Hannah Arendt und das philosophische Denken
Online-Publikation 2007 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=983738882); 206 S.Philosoph. Diss. Konstanz; Gutachter: J. Mittelstraß, D. Teichert. – Ausgehend von dem Buch „Das Denken“, dem ersten Band des zweiteiligen Werkes „Vom Leben des Geistes“, stellt die Autorin das philosophische Denken Arendts vor. Dazu beschreibt sie deren Leben, „das selbst im praktischen Sinne von Philosophie und Politik geprägt war“ (18). Außerdem legt sie dar, inwieweit Arendts Überlegungen methodisch von Heidegger und inhaltlich von Jaspers ausgingen und geht auf die Untersuchungen Arendts über das Spannungsverhältnis von Philosophie und Politik ein. Arendt habe aus persönlicher Erfahrung gelernt, „dass das, was die Existenzfrage des Menschen in erster Linie ausmacht, nicht die philosophische Suche nach dem Sein ist, sondern die aktuelle politische Situation“ (157), schreibt Zhang und begründet damit, warum Arendts Philosophie vor allem eine Kritik der Philosophie sei. Ihre Reflexionen über die philosophischen Denkweisen und ihre Beschäftigung mit der Politik (die sie als ihren Beruf angesehen habe) haben nach Ansicht von Zhang zu einem neuen Begriff des philosophischen Denkens geführt. Ausgehend von der Annahme, dass zwischen Politik und Philosophie eine unaufhebbare Spannung existiert, laute die Frage: „Wie ist das politische Denken möglich?“ Zhang wendet diese Frage auch als Schlüssel zur Erklärung dafür an, wie Arendts Feststellung von der Gedankenlosigkeit Eichmanns und ihre These von der „Banalität des Bösen“ zu verstehen sind – die Gedankenlosigkeit besteht im Kern im (unentschuldbaren) Fehlen des moralischen Gefühls. Insgesamt sei Arendt davon ausgegangen, dass die Sorge um die menschliche Welt Bestandteil einer grundlegenden Moral sei. Die apolitische Realitätsferne von Philosophen wie Heidegger habe sie damit implizit kritisiert. Aus dieser Perspektive heraus betrachtet „steht die Politik dem Leben der Menschen und damit auch der Existenzfrage näher als die philosophische Ethik“ (162). Und praktisch konstituiere sich die Freiheit des Menschen nur auf der politischen Ebene, ausgedrückt im Handeln und Denken.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Lili Zhang: Hannah Arendt und das philosophische Denken 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28006-hannah-arendt-und-das-philosophische-denken_32917, veröffentlicht am 27.03.2008.
Buch-Nr.: 32917
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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