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/ 12.06.2013
Karina Becker / Lars Gertenbach / Henning Laux / Tilman Reitz (Hrsg.)

Grenzverschiebungen des Kapitalismus. Umkämpfte Räume und Orte des Widerstands

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010; 384 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-39150-2
Der Kapitalismus lebt von einer permanenten Grenzüberschreitung nach außen (Einverleibung bislang nicht kapitalistisch organisierter geografischer Regionen) und innen (Erweiterung der Marktlogik auf bislang öffentlich organisierte Bereiche). Die Autoren beschäftigen sich vor allem mit den inneren Grenzverschiebungen und verfolgen dabei drei Ziele. Im ersten Teil diskutieren sie die Frage, was Kapitalismuskritik angesichts der gegenwärtigen Restrukturierungen heute bedeutet. Dabei geht es nicht (nur) um Kritik am Kapitalismus per se, sondern vor allem um die Frage, wie und wo individuelle und kollektive Opposition gegen die Vermarktlichung immer weiterer Lebensbereiche ansetzen kann. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund der Beobachtung, dass es dem Kapitalismus seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes zunehmend gelungen ist, sich frühere Kritik einzuverleiben und marktförmig zu verwerten. Im zweiten Teil des Bandes setzen sie sich in detaillierten empirischen Beiträgen mit den gegenwärtigen Grenzzonen marktförmiger Verwertung auseinander, also gerade mit jenen Bereichen, in welchen in den letzten zwei bis drei Dekaden zunehmend innere Grenzen überschritten wurden und werden (etwa Bildung, Soziales, Ökologie). Dabei stellen sie die Veränderungen nicht als abstrakte Entwicklungen dar, die einer reinen Marktlogik gehorchen, sondern benennen konkret die dahinterstehenden Prozesse und Akteure. Warum dies von Bedeutung ist, wird im dritten Teil des Bandes deutlich: es sind nämlich gerade diese Grenzbereiche, in denen die Konflikthaftigkeit des Kapitalismus zum Tragen kommt, wo also am ehesten Widerstand und Kritik geübt werden kann. Wie die nachgezeichneten Entwicklungen in ihr Gegenteil verkehrt werden, Konflikte also für oppositionelle Bewegungen fruchtbar gemacht werden können, wird an unterschiedlichen Beispielen diskutiert. Obwohl die Autoren eine soziologische Perspektive einnehmen, enthält das Buch vor allem für den Bereich der politischen Ökonomie wertvolle Einsichten.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.225.422.3312.3422.3434.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Karina Becker / Lars Gertenbach / Henning Laux / Tilman Reitz (Hrsg.): Grenzverschiebungen des Kapitalismus. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14463-grenzverschiebungen-des-kapitalismus_38415, veröffentlicht am 09.06.2010. Buch-Nr.: 38415 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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