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/ 21.06.2013
Yves Bizeul (Hrsg.)

Gewalt, Moral und Politik bei Eric Weil

Hamburg: Lit 2006 (Philosophie: Forschung und Wissenschaft 24); 188 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-8258-9218-0
Die Autoren führen in das Leben und Werk des französischen Philosophen deutsch-jüdischer Herkunft Weil ein. Er wurde 1904 in Parchim geboren, promovierte in Hamburg bei Ernst Cassirer und emigrierte 1933 nach Frankreich. Nach dem Krieg wurde er erst in Lille und dann in Nizza Professor für Allgemeine Philosophie. Wesentliche Teile seiner Arbeiten, die noch nicht alle auf Deutsch erschienen sind, sind der politischen Philosophie gewidmet, auch sein Hauptwerk „Logique de la Philosophie“, erstmals publiziert 1950. Ohne den Nationalsozialismus wäre Weil höchstwahrscheinlich zu einem der bekanntesten deutschen Gelehrten geworden, schreibt Bizeul in seiner einleitenden Würdigung. Stattdessen haben der Nationalsozialismus und Weils Erfahrungen als französischer Kriegsgefangener in Deutschland, dies wird in den Beiträgen deutlich, seine Philosophie maßgeblich geprägt. In den Philosophien Hegels und Kants wurzelnd, entwarf Weil ein philosophisches System, in dem er aus der Reflexion über Gewalt, Moral und Vernunft Schlussfolgerungen hinsichtlich Staat, Politik und Gesellschaft zog. Lange vor Habermas stellte Weil den Diskurs in den Mittelpunkt. „Demokratie wird von ihm als offenes System der freien, rationalen und vernünftigen Diskussion verstanden.“ (Bizeul, 149). Jeder Staatsbürger sei als potentiell Regierender zu betrachten. Der geschichtliche Fortschritt sollte im Rahmen des gerechten Vernunftgesetzes und des Verfassungsstaates stattfinden, erläutert Bizeul weiter. Weil habe damit bestimmte Handlungen ausgeschlossen (so die Ausübung von Gewalt), aber keine konkreten Anweisungen gegeben. „Eine zu konkrete und absolute Moral würde ohnehin nach Weil die menschliche Freiheit selbst aufheben.“ (140) Außer Parallelen zu Habermas finden sich auch solche etwa zu Richard Sennett oder zur Pierre Bourdieu – was insgesamt die Auseinandersetzung mit der Philosophie Weils spannend macht. Die Beiträge gehen auf eine Tagung zurück, die im November 2004 in Rostock stattfand.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Yves Bizeul (Hrsg.): Gewalt, Moral und Politik bei Eric Weil Hamburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27137-gewalt-moral-und-politik-bei-eric-weil_31694, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31694 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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