/ 04.06.2013
Wolfgang Dreßen
Gesetz und Gewalt. Berlin 1848. Revolution als Ordnungsmacht
Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 1999; 233 S.; 16,90 DM; ISBN 3-7466-8038-7Revolution gilt gemeinhin als eruptiver Ausbruch aus versteinerten Machtstrukturen und Emanzipation von hypostasierten Gewalten. Daß Revolution selbst - ihrem Anspruch zuwider - zur repressiven Instanz degenerieren kann, meint Dreßen an der 48er Revolution zeigen zu können. "Im Zuge der Regulierung des Widerspruchs wird schließlich Opposition selbst zum Ordnungsfaktor" (10) lautet die zentrale These seines Werks, die sich stringent durch sämtliche Kapitel zieht. Revolution selbst wird nach Dreßen Instrument der Unterwerfung des Menschen unter den preußischen Staat und die Sittlichkeit einer geordneten Opposition. In diesen Entwicklungsstrang reiht er auch die Gründung der sozialdemokratischen Partei ein: "Die Massenpartei wird hier zum Integrationsinstrument, das der Staat braucht, soll seine Legitimation nicht in jedem sozialen Konflikt in Frage gestellt werden." (193) Dreßens Studie bildet einen Kontrapunkt zu den Jubiläumsfeiern des vergangenen Jahres, die die Revolution als "Aufbruch zur Freiheit" für die schwache demokratisch-emanzipative Kontinuitätslinie deutscher Geschichte reklamierten. Demgegenüber ordnen sich für ihn die Ereignisse von 1848 ganz in die Tradition der "defensiven Modernisierung" (Wehler) des preußischen Staates ein und präformieren die späteren Reformen "von oben" in der kaiserlichen Ära.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Wolfgang Dreßen: Gesetz und Gewalt. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6400-gesetz-und-gewalt_8704, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8704
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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