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/ 17.06.2013
akzept Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik e. V. (Hrsg.)

Gesellschaft mit Drogen - Akzeptanz im Wandel. Dokumentationsband zum 6. internationalen Drogenkongress 5.-7. Oktober 2000 in Berlin

Berlin: VWB - Verlag für Wissenschaft und Bildung 2001 (Studien zur qualitativen Drogenforschung und akzeptierenden Drogenarbeit 31); 341 S.; 34,77 €; ISBN 3-86135-241-9
Drogenpolitik und Drogenhilfe waren in Deutschland bis weit in die Achtzigerjahre fast ausschließlich vom Abstinenzparadigma bestimmt: jeder Konsum von - freilich nur illegalen - Drogen wurde abgelehnt, und die Drogenhilfe sowie die Drogenpolitik sahen ihr Handlungsziel allein darin, betroffene Konsumenten zum Ausstieg zu verhelfen. Überlebenshilfe und Leidenslinderung wurden hingegen, insbesondere für nicht Ausstiegswillige, nicht gewährt. Im Gegenteil, im Sinne der Leidensdrucktheorie, nach der es einem Abhängigen nur schlecht genug gehen muss, damit er zu einer Therapie bereit ist, sollten die nicht Ausstiegswilligen mit Repression und Hilfeverweigerung doch noch zum Ausstieg motiviert werden. Diese Politik schlug aber, so fanden Kritiker schon vor vielen Jahren, nicht durch, sondern verursacht vielmehr unnötiges Elend. Vielerorts begannen Drogenhelfer eine akzeptierende Drogenhilfe zu praktizieren. Mittlerweile hat diese Politik zwar erheblich an Bedeutung gewonnen, wie zahlreiche Spritzentauschprogramme, etliche Gesundheitsräume sowie die Methadon-Substitution bezeugen können. Doch von einer Dominanz dieser Politik und ihrer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz kann wohl noch nicht die Rede sein. Auf dem Kongress zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zehn Jahre nach dem ersten Kongress des Vereins Akzept Bilanz. Bei den Referentinnen und Referenten handelt es sich um Angehörige der Drogenarbeit, Drogenpolitik/-verwaltung und Drogenforschung. Entsprechend vielseitig sind die insgesamt 36 Beiträge ausgerichtet. Aus dem Inhalt: Hans A. Hüsgen: 30 Jahre Drogenpolitik in Deutschland - Blick zurück nach vorn! Welche Schwerpunkte müssen bearbeitet werden? (29-34); Heino Stöver: Fachliche Innovationen und drogenpolitische Bewegungen: "Was wir wollten, was wir wurden" (35-47); Peter Cohen: Europäische Drogenpolitik (?) (49-55); Rosemarie Fischer: Die Akzeptanz der Drogenkonsumenten (57-63); Ingo Ilja Michels: "Als Tiger gesprungen - als Bettvorleger gelandet?" Zur Integration und möglichen Re-Politisierung akzeptierender Drogenarbeit - Parallelen zu anderen politischen Bewegungen (65-67); Jens Kalke: Die Föderalisierung der Drogenpolitik - Chancen und Grenzen (79-82); Krysztof Krajewski: Drogenpolitik und Drogenstrafrecht in Polen (93-98); François van der Linde: Cannabis im Spannungsfeld der Gesundheitspolitik: Modelle, Realität und Gesetzesrevision in der Schweiz (135-145).
Detlef Lemke (LE)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.3432.263 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: akzept Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik e. V. (Hrsg.): Gesellschaft mit Drogen - Akzeptanz im Wandel. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15405-gesellschaft-mit-drogen---akzeptanz-im-wandel_17541, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17541 Rezension drucken
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