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/ 26.03.2015
Ulrich Bielefeld / Heinz Bude / Bernd Greiner (Hrsg.)

Gesellschaft – Gewalt – Vertrauen. Jan Philipp Reemtsma zum 60. Geburtstag

Hamburg: Hamburger Edition 2012; 703 S.; geb., 30,- €; ISBN 978-3-86854-255-4
Wollte man am Werk von Jan Philipp Reemtsma nur zwei Charakteristika hervorheben, dann wäre zum einen auf die souveräne Beherrschung geistes‑ und sozialwissenschaftlicher Perspektiven hinzuweisen, die seine Studien vor den Begrenzungen einer einzelnen Fachdisziplin bewahrt. Zum anderen steht die Frage nach Bedingungen, Auslösern und Wirkungen physischer Gewalt im Zentrum seiner Überlegungen. Dass trotz aller institutionellen und rechtlichen Eingrenzungen von Gewalt moderne Gesellschaften mindestens latent durchgängig von kollektiven Gewaltausbrüchen bedroht sind, hat Reemtsma in einem breiten historischen Horizont in „Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne“ (2008, siehe Buch‑Nr. 34773) ausgearbeitet. Diesem thematischen Schwerpunkt folgend enthält der anlässlich seines 60. Geburtstags publizierte Sammelband Beiträge, die sich in unterschiedlichen Kontexten mit spezifischen Facetten von Gewalt auseinandersetzen. Die Autoren befassen sich unter eher zeitgeschichtlichen Perspektiven mit Populismus (Winfried Hassemer), dem Völkerrecht (Reinhard Merkel), der Holocaust‑Geschichtsschreibung (Saul Friedländer) oder der Entstalinisierung (Jörg Baberowski), sie diskutieren die Arbeiten Reemtsmas unter eher gesellschaftstheoretischen Aspekten (Axel Honneth; Hans‑Georg Soeffner; Heinz Bude) und sie behandeln unter literatur‑ beziehungsweise kulturwissenschaftlichen Bezügen Christoph Martin Wieland (Martin Bauer), Arno Schmidt (Bernd Rauschenbach) oder die Rolle Clint Eastwoods als Dirty Harry (Bernd Greiner). Dabei besteht der Reiz dieser Sammlung vor allem in dem weiten Spektrum angesprochener Gegenstände der Bereiche „Philosophie und Kunst, Literatur, Theater und Film, Soziologie und Sozialtheorie, Recht und Rechtstheorie“, womit zugleich – wie die Herausgeber hervorheben – das „Profil eines Gelehrten deutlich [wird], dem viele mit großem Dank für vieles verpflichtet sind“ (11).
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Rubrizierung: 1.32.232.354.15.422.252.622.3133.1 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Ulrich Bielefeld / Heinz Bude / Bernd Greiner (Hrsg.): Gesellschaft – Gewalt – Vertrauen. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38204-gesellschaft--gewalt--vertrauen_43581, veröffentlicht am 26.03.2015. Buch-Nr.: 43581 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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