/ 05.06.2013
Henning Ottmann
Geschichte des politischen Denkens. Band 2: Die Römer und das Mittelalter. Teilband 1: Die Römer
Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2002 (Geschichte des politischen Denkens); 381 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-476-01631-5Mit diesem Teilband über das politische Denken der Römer setzt Ottmann, Professor für Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, seine auf insgesamt vier Bände angelegte "Geschichte des politischen Denkens" fort. Wie die beiden bereits erschienenen Teilbände über die griechische Antike ist auch dieser Band vorzüglich geschrieben, klar gegliedert und von beeindruckender Breite. Auch wenn die Abschnitte selektiv gelesen werden können, um eine fundierte Information über einzelne Denker zu bekommen, verfolgt Ottmann doch ein wesentlich anspruchsvolleres Ziel: Er zeichnet ein umfassendes und zusammenhängendes Bild der wichtigen politischen Kontroversen in Rom und bettet sie in ihren jeweiligen ereignisgeschichtlichen Kontext ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen nach dem Charakter der römischen Verfassung zur Zeit der Republik, nach dem Verhältnis von Republik und Kaiserreich, nach der Gerechtigkeit der römischen Weltherrschaft und nach der Bedeutung der Zivilreligion und des Christentums für das politische Denken im späten Rom. Vor allem an der Auseinandersetzung von Denkern wie Karneades und Cicero mit der Frage nach der Gerechtigkeit des römischen Imperiums sieht man die Aktualität der damaligen politischen Diskussion für die heutige internationale Konstellation der "pax americana".
Inhaltsübersicht: I. Römertum und "Rom-Idee"; die soziale und politische Ordnung Roms; altrömische Lebensart und römischer Humanismus; II. Wie die Philosophie nach Rom kam (Karneades, Cato d. Ältere, Panaitios und sein Schüler Poseidonios); III. Polybios (ca. 200-120 v. Chr.); IV. Eine Zwischenbetrachtung: Rom im Bürgerkrieg. Von den Gracchen bis zur Zeit Ciceros; V. Cicero (106-43 v. Chr.); VI. Caesar (100-44 v. Chr.); VII. Sallust (86-34 v. Chr.). Ein Historiker zwischen Caesar-Verehrung und Republik-Nostalgie; VIII. Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.); IX. Die Augusteische Klassik (Horaz, Vergil, Livius); X. Politische Lehren des Neuen Testaments; XI. Athen und Jerusalem, Rom und Jerusalem. Philo von Alexandria (ca. 29/25 v.-42 n. Chr.) und Flavius Josephus (37/38-100 n. Chr.); XII. Zwischen Herrscherlob und Opposition. Die stoische Philosophie des 1. Jh.s n. Chr. (Seneca, Lucan, Thrasea Paetus, Musonius Rufus, Dion Chrysostomos, Epiktet); XIII. Tacitus (55/56-117 n. Chr.) und Plinius der Jüngere (61/62-ca. 112 n. Chr.); XIV. Prinzipat und Reich bei Sueton, Plutarch, Aristides und Cassius Dio; XV. Marc Aurel (121-180 n. Chr.); XVI. Christentum und Römisches Reich bei Apologeten und Kirchenvätern (Aristides, Melito von Sardes, Athenagoras, Justinus, Tertullian, Clemens von Alexandria, Origenes, Laktanz); XVII. Die Konstantinische Wende: Konstantin (ca. 280-337 n. Chr.) und Eusebius (260-340 n. Chr.); XVIII. Der Untergang des heidnischen Rom. Kaiser Julian (331-363 n. Chr.) und Symmachus (ca. 340-402 n. Chr.).
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.31
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. Stuttgart/Weimar: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6536-geschichte-des-politischen-denkens_8857, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8857
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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