Skip to main content
/ 17.06.2013
Henning Ottmann

Geschichte des politischen Denkens. Band 1: Die Griechen. Teilband 2: Von Platon bis zum Hellenismus

Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2001; XII, 332 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-476-01898-9
Diese beiden Teilbände stellen den ersten Schritt zu einer vierbändig geplanten Gesamtgeschichte des politischen Denkens dar. Folgen sollen noch "Die Römer und das Mittelalter" sowie "Die Neuzeit" und "Das 20. Jahrhundert". Das ist für einen einzelnen Autor ein kühnes Unterfangen, aber der Münchener Politikwissenschaftler rechtfertigt sein Vorhaben aus dem Gedanken, dass nur dies die Einheitlichkeit der systematischen Perspektive über die einzelnen Epochen hinweg garantieren könne. Diese Perspektive "steht der neoklassischen Philosophie der Gegenwart nahe. Mit Hannah Arendt und Dolf Sternberger, mit Leo Strauss und Eric Voegelin, mit der Münchner und Freiburger Schule der Politikwissenschaft teilt sie die Hochschätzung der Antike und der klassischen Politik. Anders als manche Repräsentanten dieser Strömung politischen Denkens intendiert sie keine Totalkritik der Moderne. Vielmehr ist sie einem Modernitätskonservatismus verpflichtet, wie er von Joachim Ritter und seinen Schülern entwickelt worden ist." (Teilband 1, VI) Das ist eine deutliche Parteinahme, und sie erklärt auch, warum die Antike im Vergleich zur Zeit ab der Renaissance einen so breiten Raum erhält. "Politisches Denken" versteht sich für Ottmann als breiter Begriff, der seinen "Konkurrenten" überlegen sei. Im programmatischen Einleitungskapitel wiederholt er zur Unterstützung dieser Ansicht Überlegungen, die auch schon im "Jahrbuch Politisches Denken", an dem Ottmann gleichfalls führend beteiligt ist, ihren Niederschlag gefunden haben. Die einzelnen Kapitel stehen einigermaßen autonom da; sie haben ihr eigenes Literaturverzeichnis, gelegentlich auch mehrere für die jeweiligen Unterkapitel. Die Gliederung geht detailliert bis in die dritte, gelegentlich bis in die vierte Ebene unterhalb der Kapitel (das Inhaltsverzeichnis nennt die ersten beiden Ebenen), sodass die einzelnen Abschnitte selten länger, häufig aber kürzer als eine Seite sind. Seinem umfassenden Begriff vom politischen Denken folgend, bezieht Ottmann auch Philosophie und Dichtung, Sozialgeschichte und vor allem die Ereignisse der politischen Geschichte in seine Darstellung ein. Ebenso wie die Tabellen und übersichtsartigen Biografien in eigenen Kästen erhöht dies die Einfachheit des Nachschlagens, aber es geht auf Kosten der narrativen Geschlossenheit. Bei aller aktualisierenden Hinterfragung des griechischen politischen Denkens (Totalitarismus, Frauenfrage) und bei aller Nutzung der Sekundärliteratur geht es Ottmann doch auch und vor allem darum, die zeitgenössischen politischen Denker selbst zu Wort kommen zu lassen. Dies geschieht denn auch ausführlich, und man darf jetzt schon mit Spannung darauf warten, wie es ihm gelingen wird, in ähnlicher Ausführlichkeit die Philosophie, Dichtung und Jurisprudenz der zum Teil wesentlich längeren und wesentlich mehr "Klassiker-Namen" aufweisenden Zeiträume zu schildern, die dem griechischen Auftakt noch nachfolgen sollen. Inhaltsübersicht: Teilband 1: Einleitung: Warum dies eine Geschichte des politischen Denkens (und nicht nur der Klassiker der Politik, der politischen Philosophie, der politischen Ideen oder Theorien) ist; I. Die Entdeckung der Politik bei den Griechen; II. Politisches Denken in der epischen Dichtung (Homer, Hesiod); III. Der Zerfall der aristokratischen Kultur im Spiegel der Dichtung des 7. und 6. Jahrhunderts v. Chr. (Archilochos, Tyrtaios, Alkaios, Theognis); IV. Die Tyrannis (7.-6. Jahrhundert v. Chr.); V. Sparta. Mythos, Verfassung, Kosmos; VI. Die athenische Demokratie. Wie und warum sie entstand, wie sie praktiziert wurde und was sie unterscheidet von der heutigen Demokratie; VII. Dichtung für den Sieg. Agonistische Dichtung im Übergang zur bürgerlichen Zeit (Simonides, Pindar); VIII. Die Historiker (Herodot, Thukydides); IX. Die Vorsokratische Philosophie - politisch gelesen (Anaximander, Pythagoras, Xenophanes, Heraklit, Parmenides) (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.); X. Die griechische Tragödie und ihre politische Bedeutung; XI. Die Sophisten; XII. Sokrates (470-399 v. Chr.) oder Die Geburt der politischen Philosophie aus dem Tod des Sokrates. Teilband 2: XIII. Platon (428/427-349/348 v. Chr.); XIV. Aristoteles (384/383-322 v. Chr.); XV. Xenophon (430/25-356 v. Chr.); XVI. Die Redner (Isokrates, Demosthenes); XVII. Politisches Denken im Hellenismus.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.31 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. Stuttgart/Weimar: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16002-geschichte-des-politischen-denkens_18318, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18318 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA